»Sä hören öberhaupt nächts, Möricke; setzen Sä säch!«
Und von neuem hub die wohlklingende Stimme des trefflichen Schulmannes zu lesen an:
»›Den zehnten Mai. Es war nächt Doktor Mouchard, sondern der Hausknecht. Der wackere Mensch kam, om meine beschmotzten Kleider zo holen. Äch werde ähm bei meiner Abreise ein töchtäges Tränkgeld geben mössen, denn er hat än der Tat väl Arbeit mät meinem schwarzen Kostöm.
Gestern abend hatte äch eine brällante Idee. Sä bestand darän, das nächste Mal einen Platz äm Ännern des Fohrwerks zo nehmen ond dä Gelegenheit abzopassen, sobald eine Dame den Kondokteur anhalten heißt. Äch kann wohl sagen, daß däse Lösong mer als ein Träomph menschlächer Berechnong erschien. Meine Befrädägong erreichte den Höhegrad, als auch dä Schmerzen än meiner Kännlade fast gänzlich nachläßen ond eine Kreuzbandsendong aus Grönängen eintraf, eine Beilage des Grönänger Wochenboten, woran Luitgarde dä folgende Stelle mät Rotstäft angesträchen hatte.
Vermäschtes. Onser trefflächer Archäologe, dä Zärde onserer Vaterstadt, der Gymnasialdärektor Samoel Heinzerläng, befändet säch seit einigen Wochen än der französäschen Hauptstadt, wo seine Ontersochongen öber dä Haartrachten des Altertoms einen gedeihlächen Fortgang nehmen. Aus sächerer Quelle können wär hänzofögen, daß Herr Baron von Prättwätz, der Großherzogläch badäsche Gesandte, onseren Heinzerläng mät seinem ganzen Einflosse onterstötzt ond ähm sogar seine reichhaltäge Prävatbäbläothek zor Verfögong gestellt hat.
Träuble, Träuble! räf äch aus, als äch däse schmeichelhafte Anerkennong meiner bescheidenen Bestrebongen nächt ohne Erröten gelesen hatte. Wer sonst auch sollte öber däse Details, dä äch nor Luitgarden geschräben hatte, so genau onterrächtet sein, wenn nächt er, der langjähräge Freund meines Hauses? Dä Nachrächt von dem götägen Entgegenkommen des Großherzogläch badäschen Gesandten war freiläch ein wenig verfröht, ändes: Rom äst nächt an einem Tage erbaut worden, ond korz ond goot, dä Notäz des Grönänger Wochenboten versetzte mäch än dä rosägste Stämmong …
Am zwölften Mai. Gestern warf äch mäch zom värten Male än Gala, om endläch meinem prädestänärten Gönner den längst zogedachten Besoch abzostatten. Der Omnäbos kam, ond äch, flänk wä der Wänd, hänein ond Platz genommen.
Es war doch ein ganz anderes Geföhl här onten äm Schoße der behaglächen Sächerheit, als da oben auf der schwankenden Höhe der Impériale. Horaz sagt mät Recht, der Blätz schlage am läbsten än hohe Törme ond öbermötäge Fächten ein, während er das ställe, bescheidene Kraut am Boden verschone …
Äch hatte äm Omnibos ein sehr schön gekleidetes weibläches Wesen zor Nachbarän. Dä Dame trog einen halb dorchsächtägen schwarzen Schleier, der etwa bäs än dä Gegend des Mundes reichte. Vermotläch äst dä Sätte däser halben Maskärong dorch dä Phönizier aus dem Orient nach Marsilia, dem heutägen Marseille, gebracht ond von da aus nach dem Norden verpflanzt worden.
Während der Fahrt war äch bestrebt, meine topographäschen Kenntnässe zo erweitern. Der Omnäbos schän ändes heute eine andere Roote einzoschlagen. Dä Gegend war mer wenägstens vollständäg neu.