»Gehen Sie!«
Abermalige Abstreifung des Kirschenfleisches und Zurücklassung des entblößten Kernes.
Das Sträußchen enthielt ungefähr zwölf bis fünfzehn Kirschen. Zwölf bis fünfzehn Schüler baten demgemäß um die Erlaubnis, »hinausgehen« zu dürfen.
Unter mannigfachen Störungen und Impertinenzen verstrich die Stunde. Doktor Hähnle gewahrte sofort, welches Los man ihm bereitet hatte, und machte Anstalten, ohne weiteres an den Resten des Festgeschenkes vorüber zu wandeln. Aber das ging nicht so.
»Herr Doktor, Ihr Sträußchen!« rief eine Stimme aus dem Hintergrunde.
»Vergessen Sie doch Ihr Sträußchen nicht!« klang das Echo.
»Ja, wo ist denn dem Herrn Doktor sein Sträußchen?«
Ein vierter ergriff das Sträußchen mit den zwölf bis fünfzehn Stielen, an denen die Kerne elegisch herabbaumelten, und trat vor, um es dem verwirrten Lehrer mit Grazie zu präsentieren.
Und nun erscholl ein Jubelgeheul durch die heiligen Hallen der Sekunda, das an die stolze Hyperbel gemahnte, mit welcher Homer das Wehgebrüll des verwundeten Ares zu versinnlichen sucht. Doktor Hähnle aber wies die schnöden Überbleibsel des Sträußchens mit Verachtung zurück und eilte, von einem wahren Gelächter der Hölle verfolgt, ins Freie.
Ein andermal brachten wir eine Auswahl musikalischer Instrumente mit, etwa eine Mundharmonika, ein Blechtrompetchen und eine Maultrommel. An solchen Tagen herrschte in den Räumen der Sekunda eine ungewohnte Stille. Gewitterschwül lagerte es über den Bänken, und Doktor Hähnle konstatierte zu seiner eigenen bänglichen Überraschung, daß er fünf Minuten lang ohne Unterbrechung dozieren konnte. Da mit einemmal erhob sich in den fernsten Winkeln des Saales ein sanft anschwellender Triller, der unter der atemlosen Stille der Versammlung in ein Motiv aus Flotows Martha überging und plötzlich mit einem grellen Mißton abbrach.