»O, Sire, Sie sind Pessimist. Im Kreise Ihrer Vertrauten findet sich kein Verräther!«
»Ich wollte, du hättest Recht. Aber nun lies einmal weiter! Ich bin doch begierig zu hören, wo das hinausläuft.«
Pigault-Lebrun fuhr in der Lectüre fort:
»Der Prinz von Paderborn, den ich Ihnen zum Aumônier gegeben habe, schreibt meinem Cultusminister, Sie gingen nie darauf ein, wenn er mit Ihnen von kirchlichen Angelegenheiten sprechen wolle. Das ist nicht in der Ordnung. Man muß sich mit allem befassen, sogar mit der Religion.«
»Es ist zu stark! Ich soll mich von dem langweiligen Tropf anschnattern lassen, blos weil mein Herr Bruder die Marotte hat, das gehöre zum Handwerk! Aber warte nur! Du sollst mich kennen lernen! – Weiter!«
»Sie haben Ihren Kammerherrn Merfeldt nach Hannover versetzt, weil er Ihnen, wie Sie sich ausdrückten, mit seinen beständigen Predigten über die Etiquette lästig fiel. Ich möchte wissen, wie Sie Ihre Rolle als König spielen wollen, wenn Ihnen der Souffleur fehlt. Ich wünsche, daß Sie besagten Kammerherrn sofort zurückberufen, und zwar so, als thäten Sie dies aus freien Stücken!«
»Sehr gut, sehr gut!« sagte der König erbittert. »Ich sehe wohl, daß mein Entschluß, diesem unwürdigen Zustand ein Ende zu machen, nicht zu früh kommt! – Weiter!«
»Sie vernachlässigen die Königin. Ist sie Ihnen etwa nicht vornehm genug? – Warum berücksichtigen Sie nicht meine Wünsche? Ich erwarte unter allen Umständen, daß ich demnächst von der bevorstehenden Geburt eines Prinzen höre … Meine weiteren Anordnungen übermittle ich dem Minister Siméon. Er wird Sie davon in Kenntnis setzen. Ich verbleibe Ihr wohlgewogener Bruder
Napoleon.«