Der Aumônier wollte ihm nicht aus dem Kopfe. Was hatte der geistliche Herr da auf dem Vorplatz verloren? Seine Wohnung lag auf dem entgegengesetzten Flügel des Schlosses.
»Ich kann diese Gesellen, die überall herumschnuppern, in den Tod nicht ausstehen,« murmelte der Bibliothekar vor sich hin. »Schließlich läuft doch alles auf die leidige Spionage hinaus. Der König hat Recht. Hier ist keiner Seele mehr zu trauen. Ich möchte wohl wissen, ob unser Verdacht betreffs des Ceremonienmeisters und des Justizministers begründet ist …«
Pigault überließ sich während einer halben Stunde dem Spiele seiner ausschweifenden Phantasie. Er durchmusterte im Geiste die ganze Hofgesellschaft und schüttelte von Zeit zu Zeit den Kopf wie ein Mensch, der mit sich selbst nicht im Reinen ist.
Ein plötzliches Klopfen riß ihn aus seinen Träumen.
Ein königlicher Lakai trat in das Zimmer und meldete, daß Seine Majestät den Herrn Bibliothekar zu sprechen wünsche.
»Unser allerdurchlauchtigster König befinden sich noch im Bett,« fügte der Mann hinzu.
Pigault-Lebrun beeilte sich, dem Befehle seines Gebieters Folge zu leisten. Er traf den König in bester Laune.
»Nimm hier auf dem Sessel Platz,« sagte Jérôme leutselig, indem er sich halb in den Kissen aufrichtete. »Hast du dein Versprechen erfüllt?«
»Wie sollte ich nicht?« entgegnete der Angeredete halblaut. »Aber wenn Eure Majestät mir wohl wollen, so lassen Sie uns leise reden … Sie, als gekröntes Haupt, haben bei der Affaire verhältnismäßig wenig zu riskiren, während ich …«