»Unsere liebenswürdige Freundin,« versetzte der Angeredete, »wäre im höchsten Grade thöricht, wenn sie sich aus irgend welcher äußern Rücksicht den schmeichelhaften Gunstbezeugungen Eurer Majestät widersetzen wollte.«

»Wir sind ja, Gott sei Dank, keine deutschen Philister,« fügte der Graf Winzingerode hinzu.

»Da hörst du's, Lili. Fürstenberg, zeigen Sie der Kleinen, wie die Sache gemacht wird. Küssen Sie Ihre Melanie!«

Der Cavalier, der trotz des ihm aufgenöthigten deutschen Namens ein echter Pariser geblieben war, schlang den Arm ohne weiteres um den blendenden Nacken seiner Nachbarin, und küßte ihr die rothen Lippen, daß es laut durchs Gemach schallte.

»Ah, das ist Unrecht, lieber Fürstenberg,« rief Pigault-Lebrun mit komischem Stirnrunzeln. »Sie machen unser Einem, der nicht so glücklich ist, wie Sie, das Herz schwer.«

»Es thut jeder, was er kann; nicht wahr, Melanie?«

»Eh bien, Lili?« fragte der König.

»Ich habe Ihnen gesagt, daß ich Sie zwei Tage lang auf schmale Kost setze,« lautete die schnippische Antwort.

»Wie? was?« erklang es im Chor. »Ein Zwist, ein Streit? Ich hätte bald gesagt, eine eheliche Differenz?«

»Unser Täubchen ist eigensinnig,« rief Jérôme, ein Glas Schaumwein hinunterstürzend.