Vierzehn Tage waren verflossen.
Von den Thürmen der Stadt Kassel schlug es Mitternacht. Die braven Unterthanen des westphälischen Gewalthabers schliefen den Schlaf der Gerechten. Melancholisch wandelte der Wärter durch die menschenleeren Gassen und entlockte seiner kurzen Weichselrohrpfeife eine qualmende Wolke nach der andern.
Nicht ganz so lautlos ging es in dem sogenannten blauen Salon der Napoleonshöhe zu. Hier saß eine kleine, aber gewählte Gesellschaft um eine reichgedeckte Tafel. Man war beim Dessert. Prächtige Früchte, hochfeines Gebäck, perlender Champagner und andere unerläßliche Ingredienzen eines luxuriösen Mahles verbreiteten einen berauschenden Duft. Die Gläser klirrten in verwegner Ungezwungenheit wider einander. Das lärmende Chaos der Stimmen wurde nur durch die Salven eines schallenden Gelächters oder durch die Klänge eines lustigen Refrains unterbrochen. Mit einem Worte, der blaue Salon war wieder einmal Zeuge eines jener intimen Soupers, die gegen elf Uhr begannen und gewöhnlich bis drei, vier Uhr Morgens dauerten.
»Die Gesundheit des Königs!« rief jetzt eine kleine, blauäugige Dame in prachtvoller Toilette.
Sie ergriff das Glas, setzte es an den Mund und leerte es auf einen Zug.
»Süßer Engel!« hauchte der König, indem er den Arm um ihre Taille legte. »Dafür sollst du einen Kuß haben.«
Die Dame sträubte sich.
»Herr Gott, wie spröde!« lachte Jérôme. »Was fällt dir ein, Lili? Wir sind ja hier unter uns! Nicht wahr, Fürstenberg, unsere kleine Heberti braucht Euretwegen ihren Gefühlen keinen Zwang anzuthun?«
Die Gesellschaft kicherte.