»›Ihr treuverbundner Bruder‹ … Was halten Sie davon?«
»Sehr gut! Das sagt eigentlich gar nichts! Schreiben wir: ›Ihr treuverbundener Bruder.‹«
Der König ließ sich nunmehr das Manuscript ins Bett reichen, und studirte es mit vielem Eifer. Hierauf legte er's unter das Kopfkissen und bedeutete dem Bibliothekar sich zu entfernen.
Jérôme ließ sich ankleiden und hatte nach eingenommenem Dejeuner nichts Eiligeres zu thun, als den Brief Pigault's zu copiren. – Er zerriß zwei, drei Bogen, bis der vierte zu seiner Zufriedenheit ausfiel. – Als er das kühne Schriftstück siegelte, spielte ein schadenfrohes Lächeln um seine Lippen.
»Kein Zweifel,« murmelte er vor sich hin, »dieser Schröpfkopf wird ziehen! Ich gäbe etwas darum, wenn ich sein verblüfftes Gesicht, seinen brennenden Ärger genießen könnte! – Früher oder später mußte die Sache ja doch einmal zum Brechen kommen! – Ich will dem erstaunten Europa zeigen, daß ich nicht bin, was ich scheine. Selbständigkeit, Unabhängigkeit, Würde, – das sind doch wohl die unerläßlichen Vorbedingungen der Achtung, deren sich ein Thron zu erfreuen wünscht! Zum Schleppenträger meines Herrn Bruders halte ich mich zu gut. Entweder oder! Der Würfel ist gefallen!«
In dieser selbstbewußten Stimmung überreichte er den Brief einem seiner Kammerjäger zur sofortigen Übermittelung an den Courier.
Wenige Stunden später war das verhängnisvolle Actenstück unterwegs.
Jérôme! Jérôme!