Die Gäste blickten einander an, als wollten sie sich fragen, ob diese Rede der kleinen Ex-Tänzerin Scherz oder Ernst sei?
Es trat eine peinliche Pause ein. Der König war sichtlich unangenehm berührt. Niemand wollte das Schweigen brechen. Man fürchtete, den mißlichen Eindruck, den Lili's Strafpredigt hervorgebracht hatte, durch eine ungeschickte Bemerkung noch zu verschlimmern. –
»Fräulein Heberti,« sagte endlich Jérôme, nicht ohne Bitterkeit, »ich hoffe Ihnen baldigst, vielleicht schon morgen, den Beweis zu liefern, daß Ihre Vorwürfe die Adresse verfehlt haben. Wenn ich in einzelnen wichtigen Angelegenheiten auf meinen kaiserlichen Bruder Rücksicht nehme, so geschieht dies aus freien Stücken. Daß ich im rechten Augenblick unabhängig, energisch, entschlossen zu sein verstehe, sollten Sie überhaupt niemals bezweifelt haben. Da Sie indeß solchen höchst seltsamen Zweifeln Raum geben, so gereicht es mir in der That zur Genugtuung, daß ich, wie gesagt, binnen wenigen Tagen in der Lage sein werde, Sie eines Bessern zu belehren. Merken Sie sich das, Fräulein Heberti!«
Der König hatte diesen langen Discurs mit voller Würde, und so laut und deutlich vom Stapel gelassen, daß Lili fast erschreckt die Augen niederschlug. Sie mochte fühlen, daß sie zu weit gegangen.
Jérôme warf seinem Bibliothekar einen selbstbewußten, verständnisinnigen Blick zu.
Dem guten Pigault fiel die Epistel, auf welche der König anspielte, heiß auf die Seele. Jeden Tag konnte die Antwort eintreffen; der Bibliothekar verhehlte sich nicht, daß diese Aussicht einen höchst beklemmenden Einfluß auf seine Lebensgeister ausübte.
In diesem Augenblick ertönte im Vorzimmer ein lebhafter Wortwechsel.
Befremdet horchte man auf.
»Ich habe die gemessensten Befehle …« sagte einer der königlichen Hofjäger.