Unter den weihevollen Klängen einer großen Harmonika wurden die ersten Stöße geleistet. Das Pumpwerk übertraf an Promptheit und Energie alle Erwartungen. Diese Spritze zu bedienen, war eine Lust, eine ideale Beschäftigung, die an das freie Schaffen des gottbegnadeten Künstlers erinnerte.
Die Gressineter waren just in der besten Arbeit, als unvorsichtiger Weise Herr Laloupon, der Pfarrer von Clatou, vorüberging. Alsbald erinnerte man sich des Tedeums, das dieser entartete Priester aus cynischer Freude über die Mißhandlung des Gressinetischen Rächercorps' hatte anstimmen lassen. Eine diabolische Wuth bemächtigte sich aller Gemüther. Croquepeu, der die Spitze des Schlauches hielt, wechselte mit Jules Pierrot einen Blick des Verständnisses, wartete, bis der Pfarrer etwa zehn Meter entfernt war, und richtete dann den straffen Strahl mit seiner vollen Vehemenz auf die unteren Rückenwirbel des Dahinwandelnden.
Die Wirkung war colossal. Der Diener der Kirche wurde nicht nur vollständig durchnäßt, sondern auch empfindlich contusionirt. Zornglühend hinkte er nach Hause und sandte alsbald dem Maire ein langes Klageschreiben, worin er um Genugthuung für die erlittene Injurie bat, Gott zum Zeugen für die fortschreitende Entartung des Menschengeschlechts anrief, und die Gressineter mit den Philistern und anderen heidnischen Völkerschaften verglich.
Des anderen Tages schickte der Bürgermeister zwei berittene Gensdarmen aus und ließ die Feuerspritze im Namen des Gesetzes confisciren.
Alle Reclamationen der Betroffenen blieben erfolglos. Der Maire gab zur Antwort, Gressinet gehöre zur Gemeinde Clatou, und sobald es in Gressinet brenne, werde er, Clamard, von Amtswegen für die erforderlichen Löschmaßregeln Sorge tragen. Eine eigene Spritze sei subordinationswidrig.
Der ›Unverzagte Streiter von Gressinet‹ brachte in seiner nächsten Nummer einen Leitartikel, betitelt: ›Wo soll das enden?‹ Herr Clamard war in besagtem Aufsatze auf's Leidenschaftlichste angegriffen. Croquepeu schloß mit der bedeutsamen Wendung: »Und so werden wir, angesichts der obwaltenden Verhältnisse, höheren Ortes das Recht suchen, das uns von maßgebender Seite in einer so durchaus nicht näher zu qualificirenden Weise verweigert wird.«
Diese Drohung des ›Unverzagten Streiters von Gressinet‹ ward noch in derselben Woche verwirklicht.
Jules Pierrot verfaßte eine Adresse an den Sous-Préfet, die sich alsbald mit Unterschriften bedeckte.
Das ebenso klar als taktvoll gehaltene Document hob die Wichtigkeit einer municipalen Entwickelung Gressinets aufs Nachdrücklichste hervor und betonte die hohe culturgeschichtliche Bedeutung gut organisirter Lösch-Apparate. Dann ging die Adresse auf den speciellen Fall ein und erhärtete mit allen Mitteln der Logik, daß Herr Clamard, der Maire, sich eines Gewaltstreiches schuldig gemacht habe, um dessen geneigte Abstellung man um so dringender bitte, als bereits die Presse anfange, die Angelegenheit in unangenehmer Weise zu interpretiren. Die Ehre Gressinet's erheische eine schleunige und glänzende Satisfaction.