»Aha!« schmunzelte Croquepeu mit einem verständnißreichen Augenzwinkern.

»Goguenard,« sagte Jules, »da Sie uns eigentlich auf diese Idee gebracht haben, so sollen auch Sie erfahren, was ich bis jetzt nur meinem vertrautesten Freunde, dem hier anwesenden Schulmeister Henri Jérôme Croquepeu mitgetheilt habe …«

Der Weinwirth horchte auf.

»Ja, Meister Goguenard,« fuhr Jules mit geheimnisvoller Betonung fort, – »ich bin der Mann, der die Verhältnisse in dem Clamard'schen Hinterhofe gründlich in Augenschein nehmen und den geeigneten Moment der That mit Zuverlässigkeit berechnen kann. Sie sind discret, Goguenard …«

Der wackere Bürger legte zur Betheuerung seiner Verschwiegenheit die rechte Hand in die Herzgrube.

»Nun denn …« flüsterte Jules, »ich bin der Verlobte der schönen Marion Leclerc …«

»Nicht möglich!« rief Goguenard. »Sie, Herr Jules, der feurigste Patriot, der glühendste Gegner der Clatounesen, der … wie soll ich nur sagen … Sie, der Chef der ganzen Agitation …«

»Liebster Freund,« versetzte Jules bedeutungsvoll, »es giebt Angelegenheiten, in denen die Parteiunterschiede aufhören. Nehmen sie z. B. einmal an, die Preußen trügen über unsere glorreichen Heere den Sieg davon …«

»Pah!« lachte Goguenard.

»Nun natürlich, es ist nur eine Annahme! Aber gesetzt den Fall … die feindlichen Armeen überschwemmten unser Departement … Glauben Sie, daß im Angesicht des gemeinsamen Gegners der Zwist der Gressineter und Clatounesen fortbestehn würde? Goguenard! Ich bin Gressineter mit Leib und Seele! Sie kennen meine Thaten, – ich brauche daher keine überflüssigen Worte zu machen! Aber so unversöhnlich wir auch die verrätherischen Bewohner von Clatou hassen – eins werden wir doch nie und nimmer vergessen: sie sind Franzosen! Gegen die Bajonnete der Preußen würden wir selbst die Clatounesen bis auf den letzten Mann vertheidigen. Habe ich Recht?«