Die Magd verläßt das Zimmer. Trendler faßt wieder Posto. Er holt das Concept hervor, das er zu copiren gedenkt. Es währt geraume Zeit, bis er enträthselt hat, wo er gestern stehen geblieben. Endlich kommt er auch über diesen Punkt ins Klare … Er bezeichnete die betreffende Stelle durch das daraufgelegte Federmesser, und holt den letzten Bogen der in Arbeit befindlichen Reinschrift aus der Mappe …
Jetzt könnte Herr Trendler mit Gottes Hilfe ans Werk gehen! So spricht der leichtsinnige Leser! Sein ungründliches Gemüth vergißt, daß zur gedeihlichen Handhabung der Feder eine tadellos gebraute und gereinigte Tinte erforderlich ist! Ehe sich Herr Trendler vergewissert hat, daß in dieser Beziehung alles in Ordnung ist, kann die eigentliche Arbeit nicht ihren Anfang nehmen. Ist es nicht etliche Mal vorgekommen, daß des Herrn Justizrath böswilliger Neffe dem armen Herrn Trendler Sand, Oblaten, oder leichten Canaster No. 5 in das Tintenfaß geworfen? Vorsicht ist also nirgends mehr am Platze, als Angesichts dieses mehrfach mißhandelten Tintenfasses. Soll die musterhafte Spitze der »grauen, starkposigen Prachtfeder« gleich beim ersten Einstippen ruinirt werden?
Trendler nimmt sein Rühr- und Probirhölzchen und taucht es hinab in die dunkle Tiefe. Es geht glatt. Von Sand keine Spur, ebensowenig von Tabak oder Oblaten. Trendler läßt die schwarzen Tropfen langsam vom Stäbchen niederträufeln. Die Tinte ist klar. Vielleicht ein bischen zu dicklich …
Er nimmt eine seiner frischgeschnittenen Federn, leckt sie, füllt sie und schreibt zur Probe zwei Zeilen auf den Linienbogen.
»Hm! Ein wenig Wasser könnte nicht schaden!« murmelte er vor sich hin, und erhebt sich, um die Caraffe zu holen.
Vorsichtig gießt er ein. Dann rührt er von neuem mit dem zierlichen Hölzchen, und macht einen zweiten Versuch auf dem Linienbogen.
»Viel zu blaß!« sagte er kopfschüttelnd.
»Was?« fragt mein Onkel.
»Ach, entschuldigen Sie, Herr Justizrath, die Tinte ist zu blaß. Wollten Sie mir nicht gefälligst den Schlüssel zur Tintenflasche geben?«