Es schlägt halb elf.

Trendler wendet sich nunmehr dem Papier zu. Er sucht und blättert in den unbeschriebenen Folioheften herum, als forsche er nach einer hochwichtigen Stelle im Corpus Juris. Die Wahl scheint ihm Qual zu machen. Er schließt bald das eine Auge, bald das andere, – nach Art raffinirter Kunstfreunde, die ein Gemälde betrachten. Dann kehrt er die Mappe um, als müsse ihm die endgiltige Entscheidung so besser gelingen. Er streichelt die Bogen, wie der Kenner ein Pferd streichelt. Gott weiß, was ihn schließlich veranlaßt, eines der Hefte an die Nase zu führen und es nachdenklich zu beschnüffeln. Nach fünf Minuten ist er mit sich und dem Papier einig … Die Mappe wird schreibgerecht ausgebreitet, die Bogen erhalten ein paar Daumenstriche … Trendler ist Meister in der kunstgemäßen Anwendung dieses natürlichen Falzbeins … So!

Es ist inzwischen empfindlich kalt geworden. Der alte Herr beginnt zu frieren.

»Trendler,« sagt er unwillig, »Sie haben richtig das Feuer ausgemacht! Rufen Sie die Magd!«

»Schön, Herr Justizrath. Therese, Therese!«

Die Dienerin erscheint in der Pforte, und beeilt sich die verglimmenden Kohlen wieder anzufachen.

Trendler schaut ihren Bemühungen andächtig zu.

»Was gaffen Sie da? Ich wette, Sie kommen auch heute nicht mit der vermaledeiten Klage zu Stande. Drei Tage kauen Sie jetzt schon an den paar Bogen.«

»Um Vergebung, Herr Justizrath; ich wollte mich nur überzeugen …«

»Schweigen Sie und setzen Sie sich!«