Aber es zieht! Das Fenster scheint heute wieder gar nicht zu schließen. Auch hier muß das Wischtuch abhelfen. Es wird der Länge nach unten vor die Ritze gelegt.

»So!«

Es schlägt drei Viertel.

Trendler wendet sich nunmehr seinen Federn zu. Er dreht sie zehn- bis zwölfmal hin und her und wählt dann eine graue, großfasrige, starkposige Prachtfeder.

Das zweiklingige Messer wird abermals betreffs seiner Elasticität geprobt. Dann beginnt die Procedur des Schneidens.

Zunächst wird der Kiel der Länge nach geschabt. Dann zimmert der blanke Stahl nach streng-architektonischen Gesetzen den Rohbau der Spitze. Diese unvollendete Spitze wird fünfzigmal befühlt und betrachtet und schließlich auf dem Nagel des linken Daumens gespalten.

Ist die Spalte gelungen, so ruht sich Trendler ein wenig aus: denn jetzt fängt erst die eigentliche künstlerische Aufgabe an, und zu jeder vollkommenen Leistung bedarf man der Sammlung.

Neu gekräftigt geht der wackre Scribent an die Krönung des Gebäudes. Hundertmal hält er den Kiel gegen das Licht; hundertmal probirt er mit der Zungenspitze, ob der gewünschte Grad der Vollendung erreicht ist. Er schnitzelt und raspelt und kratzt und glättet, als handle es sich um die Darstellung eines Prototyps, einer »Feder an sich«, wie der Philosoph sagen würde. Die immer fester zusammengekniffenen Augenlider verleihen seinem Antlitz etwas Denkerhaftes! Wüßte ich nicht, daß es der Schreiber meines Onkels ist, den ich da vor mir sehe, so würde ich ihn für einen Professor der Metaphysik halten.

Endlich! Ein breites Lächeln übergießt die Geierphysiognomie wie mit den Fluten eines rosigen Sonnenscheins! Verstünde er Griechisch, er würde »Heureka!« ausrufen! Schwer aber glücklich!

Noch achtmal wiederholt sich diese umständliche Comödie. Dann ordnet Trendler die Geschnittenen nach dem Grundsatze der Anciennität, und legt das Messer neben die Schnupftabaksdose.