»Was giebt's?«
»Ich will einmal sehen, ob die Friederike heimgekommen ist. Mir war's, als hätte ich klingeln hören.«
»Dummes Zeug! Bleiben Sie bei der Arbeit!«
Trendler setzt sich nieder und ergreift einen der beiden Schreibärmel. Er nestelt am Zuge. Die Schnur will nicht weichen. Nach einer andauernden Bemühung von fünf Minuten gelingt es ihm, den Knoten zu lösen. Die Schiene rutscht knisternd über den Arm und wird mit vieler Accuratesse befestigt.
Der zweite Ärmel erfordert eine geringere Anstrengung. Schon nach drei Minuten sitzt er wie angegossen.
Es schlägt halb zehn.
Trendler reibt sich im Bewußtsein, sehr glücklich debütirt zu haben, die Hände und zieht die Tabaksdose hervor. Sechs- oder achtmal schlägt er geräuschvoll auf den Deckel. Dann öffnet er, schüttelt den Inhalt von einer Seite nach der andern und spitzt die Finger zur Prise. Plötzlich besinnt er sich eines Besseren. Er muß im Heiligthum der Dose einen fremden Gegenstand entdeckt haben. Das rothe Geiergesicht beugt sich vor; die kurzsichtigen Äuglein beblinzeln den Tabak aus allen Richtungen der Windrose. Eine Minute verrinnt in prüfender Beschaulichkeit. Er nickt, als habe er den mikroskopischen Eindringling erkannt, setzt die Dose bedächtig auf den Tisch nieder und ergreift mit siegesgewisser Miene das zweiklingige Federmesser. Die Klinge springt auf und wird, wie um ihre Elasticität zu erproben, zwei-, dreimal auf die Tischplatte gedrückt. Dann stöbert das Metall zwei Minuten lang in der gepulverten Nießwurz herum und spießt endlich eine todte Fliege, die nach genauer Inspection unter den Stuhl geworfen wird. Jetzt erst hält sich Trendler für berechtigt, eine Prise zu nehmen; vorher wischt er indeß die Klinge des Messers mit sorglicher Peinlichkeit am Ärmel ab.
Die Dose wird wieder geschlossen und neben das Tintenfaß gestellt.
Trendlers Blick gleitet nun nach dem Fenster. Die Scheiben sind stark beschlagen. Er erachtet es für geboten, das auf der Rampe liegende Tuch zu benutzen. Die Klärung gelingt.