»Nein, Pigault,« entgegnete er langsam; »ich bin mit dir und allen meinen Getreuen vollkommen zufrieden; allein, siehst du …«
Er stockte.
Pigault-Lebrun näherte sich abermals um ein paar Schritte. Er konnte jetzt dem König voll ins Gesicht sehen. Der eigenthümliche Schleier von Melancholie, der auf diesen sonst so heiteren Zügen ruhte, berührte ihn peinlich.
»Eure Majestät sind verstimmt,« sagte er sorglich. »Fanden Sie die heutige Tafel nicht ganz nach Dero Geschmack …? Ich werde sofort die Entlassung des Küchenmeisters anordnen.«
»Beileibe nicht,« flüsterte Jérôme. »Meine Köche sind Meister ihrer Kunst, und wenn die Etikette nicht wäre, ich würde sie sämmtlich in den erblichen Grafenstand erheben.«
»So hat Ihnen die Königin eine Scene gemacht? Ah, Sire, ich bin sicher … die Königin … Ich kenne die Eifersucht Ihrer Majestät …«
»Du irrst dich, mein Freund! … Seitdem der Kaiser, unser gestrenger Bruder, die kleine Helene mit Gewalt von dannen geführt hat, ist die Königin mit mir ausgesöhnt. Sie hegt, Dank unserer Vorsicht, nicht den geringsten Verdacht mehr … Ah, es war ein niederträchtiger Streich von meinem Herrn Bruder!«
»Ich wage nicht zu widersprechen, Sire. Indeß, bedenken Sie, die Etiquette! Sie sind König, Sie müssen wenigstens den Schein wahren. Die kleine Frau hatte Ihre Majestät ja vollständig verdrängt … Der ganze Hof lag Helenen zu Füßen, und Ihre legitime Gemahlin zog sich ganz und gar aus der Öffentlichkeit zurück … Der Kaiser ist ja auch kein Ausbund von Tugend, aber er hält doch darauf, daß die Welt nicht scandalisirt wird … verzeihen Sie diesen Ausdruck …«
Das Antlitz des Königs war mit jedem Worte seines Vertrauten finsterer und erregter geworden. Er stützte den Kopf in die Hand und blickte eine Minute lang starr vor sich hin.