Schlaflos, im Ersinnen der Mittel zur Rettung sich erschöpfend, zählte Lips Tullian die dumpfen Schläge der Thurmuhr, und so eben war der letzte Schlag der Mitternachtstunde verklungen, da deuchte es ihm, an seiner Kerkerthüre Geräusch zu hören.
Die Riegel rasselten, das Schloß klirrte, die Thüre that sich auf, ein helles Licht drang in das Rabendunkel des Gefängnisses, und eine hohe, schlanke Frauengestalt, das Gesicht von einem dichten Schleier umhüllet, eine hochlodernde Fackel in der Linken, schritt im feierlich langsamen Gange auf ihn zu.
Die Gestalt stand; sie hob die Fackel, sie warf den Schleier zurück, und starrte schweigend mit scharfem Blicke auf Lips Tullian hin.
„Geist meiner Josephine!“ — stöhnte der Bebende, und sank bewußtlos zurück.
XXXXI.
Der Lieutenant Schönknecht.
Traute Heimath meiner Lieben,
Sinn’ ich still an Dich zurück.
Wird mir wohl — und dennoch trüben
Sehnsuchtsthrähnen meinen Blick.