Wachtmeister Schönknecht wurde nach Wien zurückgebracht, aber nicht in das Lazareth, sondern in den gräflich Hardegg’schen Palast, welchen die Mutter des Obristen mit ihrer Familie bewohnte. Die ehrwürdige Dame pflegte des Verwundeten mit einer Liebe, einer Sorgfalt, mit einem Eifer, wie man nur des eigenen geliebten Kindes pflegen kann; sie glaubte, für den Lebensretter ihres Sohnes nicht genug thun zu können. Auch der Obrist besuchte den Verwundeten täglich, und sicherte ihm die reelsten Beweise seiner Dankbarkeit zu.
Noch auf dem Krankenlager wurde der Wachtmeister Schönknecht zum Lieutenant im Dragonerregiment Lothringen befördert. Aber bald überzeugte er sich mit tiefem Schmerze, daß ihn eine unheilbare Lähmung am Fuße, Folge eines Lanzenstiches, für den Feld- und Garnisondienst untauglich mache. Er erhielt Pension und von dem Obristen Grafen von Hardegg ein Geschenk von 4000 Dukaten.
Schönknecht war in Straßburg geboren. Bald nach dem Beginnen seines ruhevollen Lebens fühlte er solch eine Sehnsucht nach seiner Vaterstadt, daß er sich entschloß, ungesäumt dahin zu reisen, und dort seine Tage hinzubringen. Aber seine Sehnsucht sollte nicht so schnell gestillt werden. Das Militär-Gouvernement schlug Schönknechts Gesuch, in Straßburg sich häuslich niederlassen zu dürfen, mit der Bedeutung ab, daß er seine Pension im Inlande zu verzehren habe. Obrist Hardegg ward zum Vermittler; durch seinen Einfluß und seine Verwendung erhielt Schönknecht für seine Pension ein nicht unbedeutendes Capital. Mit Extrapost flog er in ununterbrochener Reise der heiß ersehnten Heimath zu.
Als Betteljunge hatte Schönknecht in seinem zehnten Lebensjahre Straßburg verlassen; mit Gold und Rang kehrte er nun zurück. Er fand seine Eltern im Grabe, und nicht die mindeste Nachricht über seinen Bruder, der, schon vor ihm aus Straßburg gegangen, in der Folge zu Hamburg als Matrose sich eingeschifft hatte.
Lieutenant Schönknecht hatte auf seiner beflügelten Postreise den Plan zur Einrichtung seiner künftigen Lebensweise entworfen, und kaum in Straßburg angekommen, beschäftigte er sich schon mit dessen Ausführung, die um so einfacher und leichter war, da das dolce far niente, von ihm ein wohl verdientes Ausruhen von frühern Mühseligkeiten betitelt, nun den Cyclus seiner Tage gestalten sollte. Er schlief, aß, trank und rauchte Tabak.
Von frühester Jugend an im steten Kampfe mit einem Leben voll Mangel, Anstrengungen, Gefahren, Ruhelosigkeit und einer freiheitslosen, despotisch gegängelten Stellung war er, nun Herr seiner Zeit und seines Willens, über ein reiches Capital gebietend, im Besitze kräftiger Gesundheit, und sich stolz fühlend auf den ehrenvoll gelähmten Fuß, unbeschreiblich glücklich. Er lebte einen Tag wie den andern, und konnte, seinem Gefühle und seinen Begriffen nach nicht glücklicher leben.
XXXXII.
Schönknechts Verheirathung.
Im Gewebe unsers Lebens spielen