Da traf es sich, daß er nahe an der Grenze in den dichtbelaubten Aesten einer stattlichen Eiche übernachtete. Bald nach Tages Anbruch hörte er am Fuße seiner grünen Lagerstätte sprechen. Leise bog er die Zweige aus einander und sah unter sich drei Männer stehen, deren Aussehen, noch mehr aber ihr Gespräch in rothwelscher Sprache ihm gleich ihr Handwerk verrieth. Sie erzählten sich mit rühmender Redseligkeit ihre armseligen Gaunerstückchen, sprachen von dem vielen schönen Gelde auf der Eimbecker Mühle, mit der offenherzigen Erklärung, den Einbruch nicht zu wagen, und entfernten sich, noch immer in Klagen ausbrechend, solch’ einem herrlichen Fange entsagen zu müssen.

Bei seinem Eintritte in die Waldschenke am Sande erkannte Philipp das Kleeblatt auf den ersten Blick. Die feigen Wichte würden an ihm zum Mörder geworden sein, hätte sie nicht der, auch in den böhmischen Wäldern schon hochgefeierte Name: „Lips Tullian“ niedergedonnert.

„Ihr habt mich zu Euerm Bonherrn erhoben,“ begann Philipp, die zahlreiche Bande, aus einem Diebshehler und drei armseligen Schnapphähnen gebildet, mit dem Lächeln des Spottes beschauend — „wohlan, ich will es sein, wenn Ihr Euch verpflichtet, mir Bursche zu werben, auf deren Köpfe und Muth hin man etwas Großartiges unternehmen kann. Kennt Ihr solche Kumpane?“

„Daran möchte es wohl nicht mangeln,“ erwiederte der Eine. „Gerade jetzt hausen in dieser Gegend der Sarberg, auch Studenten-Fritz genannt, der Schickel, vulgo Brettbauer, Christian Eckhold, auch der schöne Böttiger heißend, ferner Hans Wolf Schöneck, Daniel Lehmann und der Kolmitzer Schneider Michael Hentzschel.“

„Ich erinnere mich,“ fiel Lips Tullian ein, „schon vom schwarzen Wenzel diese Namen mit großem Lobe nennen gehört zu haben. Warum macht Ihr nicht Gemeinschaft mit so wackern Leuten?“

„Offenherzig zu Dir gesagt, edler Tullian, darüber liegt die Schuld nicht an uns“, entgegnete der Gefragte ganz kleinlaut, „denn ich und meine Kameraden hier sind zu ihnen gegangen, haben ihnen unsere Gesellschaft angeboten, auch unter Sarbergs Commando einige Zeit mithanthieret; aber die Herren sind gar hochmüthig, halten zusammen, wie englische Kitte, schoben uns vor, wo die Baldoverei[21] oder das Kettenschieben[22] am gefährlichsten war, gaben nun vom besten Fange nur so etwas auf dem Spänchen, und zuletzt handgreiflich zu verstehen, daß wir ihnen überflüssig seien, weil wir nicht immer Lust hatten, an halsbrechenden Geschäften Antheil zu nehmen.“

„Der Löwe ekelt sich in der Gemeinschaft mit den Hasen,“ lachte Lips Tullian den Offenherzigen zu. „Ich will Euch unter mir dulden, auch leichte Arbeit und Verdienst geben, wenn Ihr mir einen dieser wackern Bursche verschafft. Nennt meinen Namen, und Keiner wird Euch zurückweisen.“

„Laß mich dafür sorgen,“ sprach der Wirth. — „Ich kenne die Chochemer Penne[23], wo Sarberg und Hentzschel in jeder Woche zusprechen. Sie liegt nur vier Meilen von hier, und Nachmittags reite ich hin. Ich stehe Dir dafür, Lips, daß, wenn sie nicht gerade jetzt tiefer ins Land gegangen sind, Du noch in dieser Nacht, oder längstens in der folgenden mit den Beiden zur Unterredung kommst. Bis dahin soll es Dir in meinem Hause an guter Speise und gutem Getränke nicht mangeln, auch wirst Du Dich nach Ruhe sehnen. Ich kann Dir ein herrliches Bett in einer Kammer anbieten, wo Du vor Entdeckung sicher bist, wenn auch das ganze Haus von Schodern[24] durchstöbert würde.“

Willig nahm Lips Tullian das Anerbieten an. Er warf dem saubern Kleeblatte ein Paar Thaler zum Vertrinken hin und ging mit dem Wirthe, der ihn nach einer kleinen Stube führte, die so versteckt lag, daß ihr Auffinden auch wohl bei der genauesten Hausuntersuchung schwerlich gelungen wäre.