Die Müllersfamilie bestand aus ihm, einem alten Manne, einem erwachsenen Sohne, der aber verreist war, der Ehefrau des Ersteren und vier Mühlknappen. Es war bei solcher Anzahl zu erwarten, daß ein heftiger Widerstand geleistet werden würde; diesen so wenig schädlich als möglich zu machen, war daher die schwierige Aufgabe, welche sie zu lösen hatten.
Mit Leitern stiegen die mit der Gelegenheit des Hauses wohl vertrauten Räuber, Lips Tullian voran, in das erste Stockwerk ein; die Fensterscheiben waren schnell und ohne alles Geräusch zerbrochen, die Fenster erbrochen und die Räuber befanden sich im Hause, ehe noch Jemand ihre Anwesenheit nur ahnte.
Zuerst begaben sich nun hierauf die Räuber in das Schlafgemach des Müllers, den sie mit seiner Frau nach kurzem Widerstande, und ehe dieselben nach Hilfe rufen konnte, banden und knebelten und hierauf beide als unschädlich im Bette liegen ließen.
Dann ging es zu der Schlafstätte der vier Mühlknappen. Hier hatten aber die Räuber einen schweren Stand, denn diese waren von dem Lärmen wach geworden und kamen, bewaffnet mit Stöcken und alten Degen, ihnen entgegen. Es entspann sich ein ernster Kampf, der leicht für die Räuber hätte gefährlich werden können; aber Lips Tullian ersah sich einen günstigen Augenblick, unterlief den Kühnsten von den Feinden, packte ihn, warf ihn zu Boden und stieß ihm sein Messer in die Kehle. Die andern wurden ebenfalls bald niedergeschlagen. So gab es also nun zwei Leichen und zwei zum Tode Verwundete, während einige von den Räubern nur leicht verletzt waren.
Diese begaben sich nun in den Keller, wo der Müller sein Geld aufbewahrt haben sollte; doch so aufmerksam sie auch suchten und das Oberste zu Unterst drehten und wendeten und umgekehrt, sie fanden nirgends das Gesuchte und auch nirgends nur eine Spur davon.
Wüthend hierüber gingen sie zu dem Müller zurück, schleppten ihn, da er nicht gestehen wollte, wo er seinen Schatz verborgen habe, in den Keller und nöthigten ihn durch Schläge und Messerstiche, ihnen denselben endlich anzugeben. Er war verscharrt und mußte erst ausgegraben werden. In einer schweren hölzernen Kiste wurde er endlich, als schon fast der Morgen tagte, gehoben und mit ihm flüchteten nun die Räuber in Sicherheit. Der Müller blieb halb todt im Keller zurück.
Bei der Theilung fand man, daß die Beute größer war, als man gehofft hatte; es fanden sich über 4000 Thaler in der Kiste. Nun hatten sie die Mittel, ihre Reise nach Prag anzutreten, was denn auch in einigen Tagen geschah. Es war dies aber auch die höchste Zeit, denn der Einbruch in der Mühle und die Ermordung der Mühlknappen hatte die Justiz auf die Beine gebracht, welche ein Commando Landdragoner in diese Gegend absandten, um alles verdächtige Gesindel aufzugreifen und auf die Räuber zu fahnden.
Die Soldaten kamen eben daselbst an, als in der Nacht vorher Lips Tullian mit seinen Genossen sich über die böhmische Grenze begeben hatte.