Die Kellerschlüssel aus dem Verschlusse zu holen, das Kästchen mit dem Schmucke unter dem Sande hervor zu ziehen, es zu zertrümmern, und den Schmuck in dem Leibgurte zu verwahren, war für den Räuber das Werk der kürzesten Zeit.
Damit begnügte sich aber der Bösewicht noch nicht. Er öffnete einen Kleiderschrank, worin Marx sehr feine Anzüge, die er von jungen Verschwendern wohlfeil gekauft hatte, verwahrte, vertauschte den seinigen gegen einen solchen, that den langen, falschen Bart von sich, nahm aus dem Schranke, der des Juden kostbarste Sachen enthielt, das baare Gold, an Thaler-Rollen, Gold- und Silbergeräthen so viel, als seine Taschen faßten, löschte alle Lichter aus, verriegelte sehr sorgfältig die Hausthüre, und entfernte sich durch das Hinterpförtchen.
So schnell als die Last seiner gefüllten Taschen erlaubte, eilte er auf das nächste Dorf, wo sich Hentzschel, als Pferdehändler figurirend, seit des Hauptmanns Ankunft in Halle mit zwei Pferden aufhielt und diese, wie verabredet war, jeden Abend gesattelt in Bereitschaft hatte.
Lips Tullian gab das bekannte Zeichen, Hentzschel zog seine Pferde aus dem Stalle, und es ging die ganze Nacht durch im scharfen Trabe.
Mit Tagesanbruch bog Hentzschel, dem Lips Tullian für seinen Antheil das Gold und die Thaler-Rollen gegeben hatte, in der Nähe einer Poststation mit seinen Pferden von der Landstraße abseits, und Lips Tullian nahm einen Wagen bis an die Thore von Dresden.
Mit einem Raube von mehr als 20,000 Thalern an Geldwerth schlich er bei eingebrochener Nacht durch die Straßen von Dresden seiner abgelegenen Wohnung zu.
[28] Ein die 10 Gebote vorstellendes Gewebe, welches die Juden am Leibe tragen, und der lange Riemen, womit sie beim Gebete Kopf und Hand umwinden.
[29] Sei Willkommen!