Fig. 12. Ein Trompetenthierchen (Stentor polymorphus). Oben ist der grosse, den Mund umgebende Wimperkranz sichtbar, links darunter der lange, rosenkranzförmige Kern. Rechts neben dem Stentor sind zwei kleine, bewimperte Zellen sichtbar, die aus dem Innern desselben ausgeschwärmt sind, entweder Junge oder Parasiten (Acineten-Schwärmer).
Fig. 13. Ein Maiglocken-Thierchen (Vorticella microstoma). Der einzellige Leib ist auf einem dünnen Stiele befestigt, der sich korkzieherartig zusammenziehen kann. a Wimperkranz um den Mund: v contractile Blase: n Zellkern; k, p, zwei Knospen, die sich ablösen.
Besonders die Ciliaten, die Wimperlinge oder Wimperthierchen, erscheinen in einer Fülle von niedlichen Formen; und durch die Anmuth ihrer lebhaften Bewegungen fesseln sie uns stundenlang an das Mikroskop. Nur einzelne Ciliaten sind schon mit blossem Auge sichtbar, so z. B. das grosse Trompetenthierchen (Stentor, [Fig. 12]); die meisten sind erst durch das Mikroskop erkennbar. Zahlreiche kurze Wimperhärchen sind über den Körper zerstreut und werden willkürlich schlagend bewegt. Wie die Geisseln der Flagellaten, so sind auch diese Wimpern der Ciliaten directe Fortsätze vom Protoplasma des einzelligen Körpers. Die meisten Wimperthierchen bewegen sich frei schwimmend oder laufend mittelst dieser Wimpern umher. Es giebt aber auch festsitzende Ciliaten, wozu die niedlichen Vorticellen ([Fig. 13]) und Freia ([Fig. 14]) gehören.
Fig. 14. Ein Lappenthierchen. (Freia elegans). Der einzellige Körper ist in eine ovale, auf Wasserpflanzen (unten) befestigte Hülle eingeschlossen, aus deren Oeffnung der Vordertheil der Zelle mit der Mundöffnung und zwei grossen Wimperlappen vortritt.
Fig. 15. Ein Reusenthierchen (Prorodon teres). a Mundöffnung (mit fischreusenähnlichem Schlundtrichter). b Contractile Blase. c Verschluckte Nahrungsballen. d Zellkern (mit Kernkörperchen).
Bei diesen Ciliaten dient der durch die Wimpern erzeugte Strudel dazu, frisches Wasser und Nahrung der Zelle zuzuführen.