Fig. 9. Peridinium (tripus). Ein Wimpergeissler, dessen dreihörnige Kieselschale aus zwei Hälften zusammengesetzt ist.
Diese Protococcen und Euglenen sind Einsiedler-Zellen, während andere Flagellaten sich zu kleinen Gesellschaften zusammenthun. Sie schwimmen im Wasser umher mittelst eines feinen fadenförmigen Fortsatzes, der wie eine Geissel oder Peitsche hin und her geschwungen wird ([Fig. 8]). Manche setzen sich auch fest auf dünnen Stielen. Ausser der Geissel, ihrem Haupt-Bewegungsorgan, besitzen manche Geisselschwärmer noch einen Kranz von feinen Wimpern mitten um den Zellenleib; diese heissen Wimpergeissler (Peridinia, [Fig. 9]). Von letzteren bilden sich viele eine Kieselschale, die aus zwei ungleichen Hälften besteht; die grössere Hälfte trägt zwei lange Hörner, die kleinere ein Horn; zwischen beiden Hälften tritt der Wimperkranz und die Geissel hervor. Durch die Schwingungen der Geissel werden kleine Nahrungskörnchen dem Zellenleibe der Flagellaten zugeführt und an deren Basis durch eine Art Zellenmund aufgenommen. Ihre Vermehrung geschieht meistens durch einfache Theilung. Bei vielen finden wir abwechselnd einen frei beweglichen und einen Ruhezustand. Während des letzteren kapseln sie sich ein und zerfallen innerhalb der Hülle in vier oder acht Zellen. Diese treten später aus der Kapsel aus und schwimmen frei umher.
Fig. 10. Ein Kugelthierchen (Volvox globator). Die netzförmige Zeichnung an der Oberfläche der Gallertkugel entsteht dadurch, dass die kleinen grünen, in den Knotenpunkten des Netzes befindlichen Geisselzellen sich durch feine Fortsätze unter einander verbinden. Im Innern der Kugel sind 6 Tochterkugeln (junge Colonien) sichtbar.
Nahe Verwandte dieser einzelligen Flagellaten sind auch die grünen sogenannten Kugelthierchen oder Volvocinen ([Fig. 10]); grüne Gallertkügelchen, welche die Grösse eines Stecknadelknopfes erreichen. In jedem Kügelchen sind zahlreiche grüne einzellige Flagellaten zu einer Gesellschaft vereinigt; und durch die gemeinsamen Schwingungen ihrer Geisseln wird die ganze Kugel umherbewegt. Im Innern der Gallertkugeln entstehen neue Tochterkugeln. Ausserdem vermehren sich die Volvocinen aber auch geschlechtlich, wie durch Cohns’ sorgfältige Untersuchungen dargethan worden ist; ihre Befruchtung geschieht in ähnlicher Weise wie bei vielen Algen; sie schliessen sich dadurch schon enger an das Pflanzenreich an.
Eine sehr eigenthümliche Protistengruppe, die man auch noch zu den Flagellaten rechnet, sind die grossen blasenförmigen Noctiluken oder Meerleuchten. ([Fig. 11]). Sie bedecken oft die Meeresoberfläche in unglaublichen Massen, strahlen im Dunkeln ein helles Licht aus und spielen eine Hauptrolle bei dem wundervollen Phänomen des Meerleuchtens. Die gewöhnlichen Noctiluken sind colossale rundliche Zellen, welche ½-1 Millimeter Durchmesser erreichen und die Gestalt einer Pfirsiche besitzen ([Fig. 11]). Der Hohlraum der blasenförmigen Zelle ist mit wässeriger Flüssigkeit erfüllt, in welcher sich verästelte Stromfäden (g) des Protoplasma bewegen, ausgehend von der Wandschicht des letztern, welche innen an der Zellhaut anliegt. Der Kern ist eiförmig (b). An einer Stelle ist die Zellhaut von einer Oeffnung, einem Zellmund (Cystostoma), durchbrochen, und hier wird Nahrung direct in das Innere aufgenommen. Hier befindet sich auch neben der zarten Geissel ein grosser peitschenförmiger quergestreifter Anhang (a), sowie ein zahnförmiger Fortsatz (d). Die Fortpflanzung erfolgt theils durch einfache Theilung, theils durch eine eigenthümliche Form der Sporenbildung.
Fig. 11. Eine Meerleuchte (Noctiluca miliaris). 1. Die ganze Geisselzelle von oben. 2. Im optischen Durchschnitt: a Peitschenförmiger Anhang, b Kern, c Furche der Oberfläche, d zahnförmiger Fortsatz, daneben die zarte Geissel; e, f grössere Protoplasma-Ansammlung um den Kern herum; g, g verzweigte Stromfäden des Protoplasma.
Neuerdings ist eine Noctiluken-Form entdeckt worden, welche zum Verwechseln einer kleinen schirmförmigen Meduse ähnlich ist, und gleich einer solchen sich durch Zusammenklappen des zarten concaven Schirmes schwimmend bewegt (Leptodiscus medusoides).
Während über die einzellige Natur der Geisselschwärmer und der Amoeben heutzutage kein Zweifel mehr besteht, so ist diese dagegen bis vor Kurzem streitig gewesen bei denjenigen Protisten, die man heute vielfach als Infusionsthierchen im engeren Sinne bezeichnet. Dazu gehören die beiden Klassen der Wimperthierchen oder Ciliaten ([Fig. 12–15]) und der Starrthierchen oder Acineten ([Fig. 16], [17]). Massenhaft bevölkern sie alle stehenden und fliessenden Gewässer und sind auch in allen Infusionen zu finden.