Wir sprangen auf und rannten dem Steilhang zu. Trotzdem ich über einen tückisch durchs hohe Gras gespannten Draht stolperte und mich überschlug, kam ich doch glücklich an und brachte meine erregten Leute allerdings nur durch Anwendung höchster Energie in eine auf Tuchfühlung gedrängte Schützenlinie.

Ich habe immer erfahren, daß in solchen Augenblicken der gewöhnliche Mann, der vollauf mit seiner persönlichen Gefahr beschäftigt ist, die scheinbar unbeteiligte Sachlichkeit des Führers bewundert, der inmitten der tausend entnervenden Eindrücke des Gefechts die Ausführung seines Auftrages klar im Auge hat. Diese Bewunderung hebt jeden ritterlich Gesinnten über sich selbst hinaus und spornt ihn zu immer größeren Leistungen an, so daß Führer und Mannschaft sich aneinander zu gewaltiger Energieentfaltung entzünden. Der moralische Faktor ist eben alles.

Schlagartig verstummte das Feuer, während ein vielfaches Knacken und Rauschen durch das Unterholz des Wäldchens glitt.

„Halt! Wer da! Parole?!“

Wir brüllten wohl fünf Minuten lang und schrieen auch das alte Losungswort des 1. Bataillons „Lüttje Lage“, ein Ausdruck für Schnaps und Bier, jedem Hannoveraner geläufig; doch antwortete uns nur ein seltsames, unverständliches Geschrei. Endlich nahm ich die Verantwortung auf mich und ließ feuern, trotzdem einige Leute behaupteten, deutsche Worte gehört zu haben. Meine zwanzig Gewehre fegten ihre Geschosse in das Wäldchen, die Kammern rasselten, und bald hatte sich das Geschrei drüben in Wimmern verwandelt. Ich hatte dabei ein flaues Gefühl der Ungewißheit.

Doch blitzten uns ab und zu gelbe Flämmchen entgegen. Einer von uns bekam einen Schulterschuß und wurde durch den Sanitäter verbunden.

„Stopfen!“

Langsam drang das Kommando durch, und das Feuer ruhte. Die Spannung der Nerven war durch die Tat gedämpft.

Erneutes Parolerufen und meinerseits die überredende Aufforderung: „Come here, you are prisoners, hands up!“

Darauf drüben vielstimmiges Geschrei. Ein einzelner löste sich vom Waldsaum und kam auf uns zu. Einer beging die Dummheit, ihm „Parole!“ entgegenzurufen, worauf er stehen blieb und sich umdrehte.