Während wir uns die Feldflaschen boten und eine Zigarette ansteckten, hörten wir, wie sich der Gegner mit einigen laut jammernden Verwundeten durch den Hohlweg entfernte.

Ich beschloß den Kampfplatz abzugehen. Aus der Wiese, auf der wir die Schützenlinie zusammengeschossen hatten, stiegen fremdartige Rufe und Schmerzensschreie. Wir entdeckten im hohen Grase eine Reihe von Toten und drei Verwundete, die uns um Gnade anflehten. Sie schienen fest überzeugt, von uns umgebracht zu werden.

Auf meine Frage: „Quelle nation?“ antwortete einer: „Pauvre Radschput!“

Wir hatten Inder vor uns, weit übers Meer gekommen, um sich bei diesem gottverlassenen Stück Erde an Hannoverschen Füsilieren die Schädel einzurennen.

Die zierlichen Gestalten waren übel zugerichtet. Auf diese kurzen Entfernungen besitzt das Infanteriegeschoß Sprengwirkung. Keiner hatte weniger als zwei Schüsse bekommen. Wir nahmen sie auf und schleppten sie zu unserem Graben. Da sie schrieen, als ob sie am Spieß stäken, verstopften ihnen meine Leute den Mund und drohten mit der Faust, wodurch sie in ihrer Angst noch bestärkt wurden. Einer starb schon während des Transportes. Er wurde doch noch mitgenommen, da auf jeden Gefangenen, ob tot oder lebendig, eine Prämie gesetzt war. Die beiden anderen suchten unser Wohlgefallen zu gewinnen, indem sie fortwährend riefen: „Anglais pas bon!“ Weshalb diese Leute französisch sprachen, ist mir nicht recht klar geworden.

Im Graben wurden wir von der Kompagnie, die den Lärm des Kampfes gehört und schweres Absperrungsfeuer bekommen hatte, mit Jubel empfangen und unsere Beute gebührend bestaunt. Ich zog mich mit Kius, der gleich ein halbes Dutzend Aufnahmen machte, in unsere Hütte zurück und ließ mich von ihm zur Feier des Tages mit Spiegeleiern bewirten.

Unsere Leistung erregte berechtigtes Aufsehen und wurde im Divisionstagesbefehl lobend besprochen. Wir hatten mit 20 Mann einer um das Mehrfache überlegenen Abteilung, die uns schon in den Rücken gekommen war, siegreich widerstanden. Ein solcher Erfolg ist natürlich nur durch eine glänzend disziplinierte Truppe von hoher moralischer Qualität zu erzielen.

Ich selbst konnte mir mit Befriedigung sagen, daß ich durch Überlegenheit über die Situation und persönliche Einwirkung auf meine Leute dem feindlichen Führer eine arge Enttäuschung und ein frühzeitiges Grab bereitet hatte. Wir beiden hatten unsere Fähigkeiten in derselben Weise gemessen, wie es bei kleinen Offiziersübungen in der Garnison üblich ist; nur hatten wir nicht mit Platzpatronen geschossen.

Sollte ein Angehöriger der 1st Hariana Lancers diese Zeilen lesen, so sei ihm hier meine Achtung ausgesprochen für eine Truppe, die solche Führer ihr eigen nennt wie diesen Oberleutnant, gegen den ich die Ehre hatte zu kämpfen.

Was sagt Nietzsche vom Kriegsvolke? „Ihr dürft nur Feinde haben, die zu hassen sind, aber nicht Feinde zum Verachten. Ihr müßt stolz auf Euren Feind sein, dann sind die Erfolge des Feindes auch Eure Erfolge.“