Wenn das Ziel nicht erreicht wurde, das die Führung sich gesteckt hatte, so war es nicht die Schuld der Offiziere und der Leute, die nach 44 Monaten schwerster Kämpfe sich dem Feinde mit einer Begeisterung entgegenwarfen, wie je im August 1914. Fürwahr, es mußte sich die ganze Welt in die Bresche stemmen, um solcher Sturmflut standzuhalten. Wenn sich im Laufe der Jahre einst die Wogen des Hasses geglättet haben, wird die Geschichte anerkennen, daß wir gekämpft haben wie nie ein Volk zuvor.

Mit Vergnügen erinnere ich mich auch jener Abendstunden, wo wir am runden Tisch zusammensaßen und uns mit heißen Köpfen über den bevorstehenden frisch-fröhlichen Bewegungskrieg unterhielten. Ging auch in der Begeisterung der letzte Taler für Wein drauf, was brauchten wir noch Geld jenseits der feindlichen Linien oder gar im besseren Jenseits?

Wer weiß, ob nicht die Welt

Morgen in Schutt zerfällt,

Wenn sie nur heut noch hält,

Heute ist heut!

Nur durch die Vorstellung, daß die Etappe doch auch leben wollte, konnte uns der Hauptmann v. Brixen am letzten Abend davon abhalten, Gläser, Flaschen und Porzellan gegen die Wände zu feuern. Auch die Leute waren gut in Form. Hörte man sie in ihrer trockenen niedersächsischen Weise von dem bevorstehenden „Hindenburg-Flachrennen“ reden, so wußte man, daß sie anpacken würden wie immer, zäh, zuverlässig und ohne unnötiges Geschrei. Wie hätte man hinten sein können, wenn sie ins Gefecht gingen, diese stillen Söhne alter, eichenumrauschter Höfe? Viel schimmernde Ideale, die über unseren Zielen hingen, hat mir der Krieg zerschlagen, eins blieb für immer: diese unerschütterliche Treue.

Am 17. März marschierten wir nach Dunkelwerden von den uns bereits liebgewordenen Quartieren nach Brunemont. Alle Straßen waren überfüllt von rastlos sich vorwälzenden Marschkolonnen, unzähligen Geschützen und endlosen Trains. Trotzdem herrschte genaue Ordnung nach einem von Generalstabsoffizieren ausgearbeiteten Mobilmachungsplan. Wehe der Truppe, die nicht peinlich Weg- und Marschzeit innehielt; sie wurde rücksichtslos in den Straßengraben gedrängt und mußte stundenlang warten, ehe sie sich in eine Lücke zwängen konnte. Einmal gerieten wir doch ins Gedränge, wobei sich das Reitpferd des Hauptmanns v. Brixen auf eine beschlagene Wagendeichsel spießte und verendete.

Die große Schlacht.

Das Bataillon wurde im Schloß von Brunemont untergebracht. Wir erfuhren, daß wir in der Nacht vom 19. zum 20. März 1918 nach vorn marschieren sollten, um in der Nähe von Cagnicourt in Stollen des Trichterfeldes bereitgestellt zu werden, und daß der große Angriff am Morgen des 21. beginnen sollte. Das Regiment hatte den Auftrag, zwischen den uns von 1915/16 her wohlbekannten Dörfern Ecoust-St. Mein und Noreuil durchzustoßen und womöglich am ersten Tage Mory zu erreichen.