Vorläufig richteten wir uns in den Trichtern auf der Höhe ein. Allmählich brach die Sonne durch, und es erschienen englische Flugzeuge, die mit Maschinengewehren unsere Löcher abstreuten, indes bald von den unsrigen vertrieben wurden. Im Grunde von Ecoust fuhr eine Batterie auf, ein ungewöhnliches Bild für alte Grabenkrieger; sie wurde auch bald zusammengeschossen. Ein einzelnes Pferd riß sich los und galoppierte durch das Gelände; ein gespenstischer Anblick, dieses rasend gewordene Tier auf weiter, einsamer Fläche, vom wechselnden Gewölk der Geschosse behangen. Die feindlichen Flieger waren noch nicht lange verschwunden, als wir das erste Feuer bekamen. Zuerst platzten einige Schrapnells, dann zahlreiche leichte und schwere Granaten. Wir lagen wie auf dem Präsentierteller. Mehrere ängstliche Gemüter vermehrten das Feuer noch, indem sie kopflos hin und her liefen, anstatt in ihre Trichter geduckt, den Segen über sich ergehen zu lassen. In solchen Lagen muß man Fatalist sein. Diesen Grundsatz beherzigte ich, indem ich den geradezu großartigen Inhalt einer erbeuteten Büchse voll Stachelbeer-Marmelade verspeiste. So wurde es langsam Mittag.

Schon seit längerer Zeit war links in der Vraucourtstellung Bewegung zu beobachten. Jetzt sahen wir gerade vor uns die bogenförmige Flugbahn und den weißen Einschlag deutscher Stielhandgranaten. Das war der gegebene Augenblick.

Ich ließ antreten. Ohne stärkeres Feuer zu bekommen, gelangten wir an den feindlichen Graben und sprangen hinein, freudig begrüßt von einem Sturmtrupp des Regiments 76. Im aufrollenden Handgranatenangriff ging es, ähnlich wie bei Cambrai, langsam vor. Der feindlichen Artillerie blieb es leider nicht verborgen, daß wir uns langsam in ihren Linien vorfraßen. Ein scharfer Feuerüberfall von Schrapnells und leichten Granaten faßte uns vorne noch gerade, in der Hauptsache jedoch die Reserven, die hinter uns über freies Feld dem Graben zuströmten. Wir bemühten uns, möglichst schnell mit dem Gegner fertig zu werden, um das Feuer zu unterlaufen.

Die Vraucourt-Stellung schien noch im Bau gewesen zu sein, denn manche Grabenstücke waren nur durch Abheben der Rasenschicht angedeutet. Wenn wir ein solches Stück übersprangen, konzentrierte sich das ganze Feuer des Umkreises auf uns. Ebenso nahmen wir den über diese Stellen vor uns her hastenden Gegner unter Feuer, so daß die kurzen tracierten Stücke bald mit Leichen behäuft waren. Es war eine nervenpeitschende Hetzjagd. Wir eilten an noch warmen, stämmigen Gestalten vorüber, unter deren kurzen Röckchen kräftige Knie glänzten, oder krochen über sie hinweg. Es waren Hochländer, und die Art des Widerstandes zeigte, daß wir keine Feiglinge vor uns hatten.

Nachdem wir so einige hundert Meter gewonnen hatten, geboten uns immer dichter fallende Hand- und Gewehrgranaten Halt. Die Leute begannen zu weichen.

„Der Tommy macht einen Gegenstoß!“

„Bliew stahn!“ „Ich will bloß Verbindung aufnehmen!“

„Handgranaten nach vorn; Handgranaten, Handgranaten!“

„Achtung, Herr Leutnant!“

Gerade im Grabenkampf, wo am brutalsten gefochten wird, sind solche Rückschläge am häufigsten. Die Mutigsten stürzen, schießend und werfend, an der Spitze vor. Die Masse folgt als willenlose Herde auf den Fersen. Beim Aufeinanderprall springen die Kämpfer hin und her, um den vernichtenden Würfen auszuweichen und stoßen dabei auf die Nachdrängenden. Nur die vordersten übersehen die Lage; weiter hinten bricht unter der im engen Graben zusammengekeilten Menge wilde Panik aus. Erkennt der Gegner den Augenblick, ist alles verloren; jetzt muß der Führer zeigen, ob er die Achselstücke zu Recht trägt, obgleich ihn selbst das bekannte „mulmige“ Gefühl beschleicht.