Das Werk erschien zuerst pseudonym, wie alle seine früheren Erzählungen und Aufsätze, die er unter den Namen „Leonhard Emil Hubert, Hubertus, Eduard Helmer“ herausgab, bis er erst in den, 1847 zu Kassel bei H. Hotop gedruckten „Erzählungen“ vor das Forum der Oeffentlichkeit trat, und alle seine frühern literarischen Versuche als sein Produkt und Eigenthum bescheiden vindizirte. Auch hier bilden des Dichters militärische Thaten, Kriegsscenen und Naturbilder aus Afrika und Spanien die stets wiederkehrende Staffage. Ausgezeichnet wie „Prinz Rosa-Stramin“ durch Wahrheit, Naturwüchsigkeit und jugendliche Frische, sind sie, gleich den spätern Novellen[5], mit größerer Klarheit und mehr einheitlicher Zusammenstellung angelegt: sie waren nach dem Urtheile competenter Kunstrichter das Beste, was seit langer Zeit auf dem deutschen Büchermarkt erschienen war[6].

Außer den vorliegenden Gedichten und einer Arbeit über kurhessisches Recht haben wir unter der Nachlassenschaft des Verstorbenen noch zwei literarische Commentare, das eine zu Schiller’s „Wilhelm Tell“, das andere zu „Amaranth“ und „Thomas Morus“ von Oscar v. Redwitz vorgefunden. Ein Theil dieses letztern ist in dem Programm des hiesigen Athenäums, Schuljahr 1856-57, abgedruckt.

Wer außer Schiller, Körner und Mathisson, den Lieblingsdichtern seiner Jugend, Koch am meisten beeinflußt hat, mag nicht schwer zu errathen sein. Die überraschenden, oft brüsken Wendungen und Katastrophen, die behagliche Ungebundenheit in Form und Manier, das Abspringen von dem Gegenstand, um sich mit dem Leser oder mit sich selbst und über sich selbst in ein ironisch-humoristisches Zwiegespräch einzulassen, die eingestreuten komischen Situationen und Gedankenblitze erinnern an Jean Paul, zum Theil an den Verfasser der „Reisebilder“. Aber es wäre eine Verkennung der ihm in hohem Grade angebornen Produktionsgabe, wenn man ihn mit Kuzkow der servilen Imitation Heine’s bezüchtigen wollte, wogegen sich Koch selbst in dem Vorwort zu seinen „Erzählungen“ energisch verwahrt hat. Sind wir auch mit dem Dichter selbst weit davon entfernt, alles und jedes in seinem Leben wie in seinen Schriften billigend und lobend anzuerkennen, so müßten wir doch auch dagegen mit ihm in aller Entschiedenheit protestiren, wenn man ihn zum Gesinnungsgenossen des getauften Judenheiden herabwürdigen wollte. Die Gemeinheit, womit der Vater und Chorführer des „jungen Deutschland“ alles Ernste und Heilige in den Koth seiner Leidenschaft herabzog, die Heuchelei des atheistischen Verstandesmenschen, der bei aller Gefühls- und Gesinnungslosigkeit mit Seelengröße und Byronischem „Weltschmerz“ kokettiren konnte, war ihm aus Grund seines Herzens verhaßt. Bei allen jugendlichen Irrungen und allen Stürmen des Lebens hatte Koch den Adel seiner liebenswürdigen Seele bewahrt, und was er schrieb und sang, entströmte als die eigne Sprache eigner Poesie den tiefsten Tiefen seiner überaus genialen und überaus gemüthsvollen Dichternatur.

Was die vorliegende Sammlung betrifft, so hielt es der Herausgeber für eine Pflicht der Pietät gegen den Verewigten, alle seine hinterlassenen Gedichte ohne Auswahl und Sichtung in dieselbe aufzunehmen, wenn ihm auch das eine oder andere in Anlage und Form minder vollendet und befriedigend schien: soll doch nur durch das Ganze und im Zusammenhang mit seinen übrigen Produktionen ein vollständiges Bild von der Individualität des Dichters gewonnen werden. Mögen auch diese Blätter zur Würdigung des Mannes beitragen, der, wie er selbst schrieb, in der Literatur nach keinem fürstlichen Kleide gestrebt, aber auch hoffen durfte, nicht zu den literarischen Bettlern geworfen zu werden.

Und so nehmen wir denn noch einmal Abschied von dem geliebten Sänger, in das Trauerlied einstimmend, das wir auf die Gruft unseres Vorgängers als Schüler und Freund in dankbarer Erinnerung niederlegten.

Trost in Thränen.

Grablied auf Professor Koch.

Nach der Harfe greif’ ich wieder –

Und sie tönet Grabgesang,

Bittern Schmerzes Klagelieder