„Zur Würdigung dieser Umstände dürfte zu bemerken sein:
„1. Anderthalb Jahre hatte ich dem Feldzuge in Spanien beigewohnt, ehe ich in das Hospital ging, viele Menschen sterben gesehen, viele Kirchen, gezwungen oder aus Laune besucht, und all den Pomp der spanischen Gotteshäuser beobachtet, warum machte er nie vorher den Eindruck auf mich, den später in Pamplona das Glockengeläute auf mich machte?
„2. Gewisse Leute sind bei der erfolgten Bekehrung eines Fremden in Spanien schnell mit dem Zweifel bei der Hand: ob nicht die Bekehrung die Folge eines geistigen Zwanges, der Ueberredung, oder gar der Aussicht auf zeitliche Vortheile gewesen? Wo aber hier Ueberredung? und die zeitlichen Vortheile, die mir Niemand in Aussicht stellte und stellen konnte, bestanden darin, daß mein guter Caplan, der selbst so arm war wie eine Kirchenmaus, mich auf seine Kosten vor der Communion rasiren ließ.
„3. Konnte ich überhaupt hoffen, daß ich als Katholik meine zeitliche Zukunft in irgend etwas verbessern würde? Nein, denn für den Fall der Rückkehr in mein Vaterland konnte ich als Convertit mir nur Nachtheil und Zurücksetzung, oder gar Verachtung versprechen, in Spanien selbst aber erwartete ich täglich den Soldatentod.
„4. War es Furcht vor dem Tode, die mich bewog, katholisch zu werden? Nein, denn die Krankheit war überstanden, und als Protestant konnte ich ja überhaupt nicht annehmen, daß man Katholik sein müsse, um gut zu sterben.
„5. War es Dankbarkeit gegen Gott für die Genesung? Wie hätte ich als Protestant denn annehmen können, daß man Gott einen Gefallen erzeige, wenn man katholisch werde?
„6. Es ist sonderbar, daß ich gerade an jenem Tage nach meiner Bekehrung aus dem Hospital geschickt wurde. Wäre es einen Tag früher geschehen, so wäre das Werk unvollendet geblieben.
„Es war also eine reine und ganz unverdiente Barmherzigkeit des allmächtigen Vaters, welcher mich, nachdem sein Ruf in der Heimath nicht gefruchtet, in lange Entbehrungen und Leiden, und nachdem auch sein zweiter Ruf in Spanien unbeachtet geblieben war, endlich in das Lazareth in Pamplona warf, mich dort von einer schweren Krankheit rettete, und mir dann mit seinem Sonnenstrahle und dem Glockengeläute seiner Kirchen die Gnade sandte. Wäre der Ausdruck nicht so menschlich, so würde ich sagen: so viel Mühe gibt sich Gott, um ein störriges, eitles Kind, das nicht hören und nicht sehen will, zurückzuführen. Der Herr sei gepriesen in Ewigkeit. Amen!“
Das erste bedeutendere Werk, womit Koch seine literarische Laufbahn eröffnete, war der aus den „Vigilien“ entstandene „Prinz Rosa-Stramin“[4], dem noch nach zwei Decennien die seltene Gunst zu Theil ward, neu aufgelegt und in’s Englische übersetzt zu werden. Wenn wir in dieser Lieblingsschöpfung des Dichters – der Frühlingsgabe seiner Muse – eine klar durchdachte Anordnung des Stoffes, Einheit und Größe der Conception, Abrundung und Marmorglätte der Sprache vermissen, so werden wir um so freigebiger durch Originalität, Scenenwechsel und Farbenreichthum entschädigt. Ruhig überläßt sich der Dichter dem kühnen Fluge seiner Phantasie, unbekümmert darum, wo ihn das kecke Flügelroß hintragen wird. Wir sehen eine Gallerie der lebendigsten Gemälde, die in bunter, rascher Variation auf einander folgen, Bilder aus dem Studenten- und Philisterleben, in welchen sich überall des Verfassers reiche, gemüthlich-schwärmerische Natur abspiegelt, und in die er meist seine eigenen Erlebnisse, seine jugendlichen Träume und Verirrungen, seine Freuden wie seine Leiden hineinträgt, aber mit einer Wärme des Gefühls, einer Frische des Colorits, einem sprudelnden Humor, die den Leser von einem Ende zum andern in fesselnder Spannung erhalten.