führt die Kuh ins Kraut,
das Ross zum Zug,
die Bienen zum Flug.
Gerdrut
geht das Schoof mit dem Lamme ruut. (Aus dem Waldeckischen.)
Sant Gertrud
Säit Zibelä und Chrût. (Schweizerisch.)
Wichtiger und von weiter reichendem Ziele werden diese Kalenderregeln, wenn man sie auf Specht, Kukuk und Schnecke ausdehnt und diese als im Dienste Gertrudens stehend aufweist. Alle drei werden von der Kalenderregel in dieselbe Zeitfrist gesetzt. Der Specht heisst Schweiz. Merzafülli, d.i. Fohlen; Gertrudentag fällt auf 17. März und die Bauernpraktika sagt: Schreit der Kukuk früh im März, so giebts einen guten Frühling.
Der Schwede nennt den Schwarzspecht Gjertrudsfuglen und erzählt von ihm folgendes Märchen, enthalten in Asbjörnsen's Norske Folke-Eventyr 1866, no. 2. Christus und Petrus erscheinen reisemüde und hungrig bei einer brodbackenden Frau, welche Gertrud hiess und eine rothe Haube trug. Auf Beider Bitte nahm sie ein bischen Teig in die Backpfanne und thats übers Feuer, doch das Bischen gieng sogleich hoch auf und füllte das ganze Geschirr. Dieser Kuchen war ihr für ein Almosen zu gross; zum zweiten male nahm sie noch weniger Teig, doch auch dieser bekam dieselbe Grösse, und als nun zum dritten male dasselbe geschah, sprach das Weib: Ihr müsset ohne Almosen gehen,
all mein Gebäcke wird zu gross für euch! Zur Strafe verwünschte der Herr die Geizige in den Gertrudenvogel, der noch ihre rothe Haube trägt und kohlschwarz ist wie sie, als sie zum Schornstein hinausfuhr. Beständig hungernd hackt sie nach Futter in die Baumrinde.—Dieselbe Sage in deutscher Version lautet bei Simrock, Myth. 3, 23 also: Christus gieng an einem Beckerladen vorüber, wo frisches Brod duftete, und sandte einen der Jünger hin, um ein Stück zu erbitten. Der Becker schlug es ab, doch die Beckersfrau, die mit ihren sechs Töchtern von ferne stand, gab es heimlich her. Dafür sind diese zusammen als das Siebengestirn an den Himmel versetzt, der Becker aber ist zum Kukuk geworden. In Prätorius Weltbeschreibung und darnach in Grimms Myth. 641 wird eben dasselbe also berichtet. Ein Becker hat zur theuern Zeit den armen Leuten von ihrem Teig gestohlen und, wenn Gott den Teig im Ofen segnete, ihn herausgezogen, bezupft und dabei gerufen: Guck! guck! (ei sieh!) Dafür ist er in einen Raubvogel verwandelt, der unaufhörlich dieses Geschrei wiederholt. Im aargauer Freienamt gilt hierüber folgende Spielart. Ein hungernder Knabe wollte einem Marktweibe ein Brodwecklein abkaufen, sie, forderte aber so viele Kreuzer dafür, als man auf des Kindes flache Hand hinzählen könne. Das Büblein gieng darauf ein und machte sein hingestrecktes Händchen immer hohler und schmaler. Da die Alte nun in ihrem Zählen gar nicht fertig werden wollte, noch ein Plätzchen und wieder eins auf der Kinderhand zu suchen, so rief zuletzt der Knabe voll Hunger und Verdruss: So flieg und ruf Kukuk! Alemann. Kinderlied, S. 78.