So wird hier der Specht, ursprünglich ein nahrungsspendender Bote Gottes, ein die Nahrung hartherzig verweigernder Theuerungsgeist und geht in die Gestalt des gleichfalls eigennützig gefassten Kukuk über. Daher heisst es von diesem letzteren, er sei ein diebischer verwünschter Beckerknecht und trage davon sein fahles, mehlbestaubtes Gefieder. Dies besagen die nachfolgenden Kindersprüche:

Kukuk stahl Weggen.[[13]]—Kukuk, Beckenknecht![[14]]—Kukuk, Speckbub![[15]]—Kukuk, schniet Speck up![[16]].—Der Gugger uf em dürre Nast, er bettelt Brod und wird nicht nass.[[17]] Der Sauerklee, Oxalis acetosella, der zur nemlichen Zeit blüht, da des Kukuks Ruf ertönt, heisst in Deutschland Kukukskohl, in der deutschen Schweiz Guggerbrod, franz. pain de coucou, tessinisch pan cuculo, romansch paun e caschöl cucu (Butterbrod), und weil seine säuerlichen Blättchen von den Kindern genascht werden, auch Herrgottensüpple, Herrgottenbrod. Fr. Staub, das Brod, 1868, 6. Auch die süssen Keime des Habermarks (Tragopogon) heissen Guggichbrödle.

Der Vogel schenkt oder raubt also Brod und Butter, Speck und Speckwecken, nemlich solcherlei Kuchen, die man nach beendigter Fastenzeit um Ostern bäckt, mit Speckwürfeln belegt und Speckwähen benennt. Die Rolle des Diebes wird ihm beigelegt, weil er nur so lange seinen Ruf ertönen lässt, als die Brütezeit dauert und er die Eier andrer Vögel aussäuft. Ist diese Zeit vorüber und es beginnt die Reife der Frühkirschen, so sieht er auch diese, heisst es, in seiner Gier für buntgesprenkelte Eier an und frisst deren so viele, dass ihm die Stimme verfällt und er nur noch heiser ruft. Die Sage von der durch ihn erregten Theuerung knüpft sich an sein zeitweilen verspätetes Erscheinen und an sein über die geregelte Frist andauerndes Rufen. Die oberfränkischen Bussbacher sollen ihn daher einmal bei langem Regenwetter mit dem Backwisch verjagt haben. Panzer, BS. 2, no. 285. Er soll nur so lange rufen, als das Siebengestirn am Himmel steht, in welches jene Beckerin mit ihren Töchtern verwandelt ist; das ist bis Ende Juni. Die appenzeller Bauernregel sagt hierüber: Wenn d'Henne abwärts gönd, schlôt s'Brod ab, wenn s'ûfwärts

gönd, schlôt 's ûf. Hält der Vogel diese Frist nicht mit ein, so entsteht Nahrungsmangel, dessen Opfer er selber zuerst wird; hievon erzählt folgender venetianer Spruch:

Am achten des Aprils,

da soll der Kukuk kommen;

Kommt er am achten nicht,

so ist er todt oder gefangen.

Kommt er am zehnten nicht,