Kukuk, Kukuk, Gerderut:
stäck dîne vêr Hörns herut!
Um so besser stehts um das berufende Kind, je pünktlicher ihm die Schnecke ihre vier Fühler zeigt; es erkrankt, wird kreuzlahm, wenn es in die Fühler zwickt. Alemann. Kinderl. S. 97. Aus Göthes Lied Frühlingsorakel ist die Sitte allbekannt, nach der Zahl der im April gehörten ersten Kukuksrufe die Hochzeitsfrist, die Zahl der Kinder und der Lebensjahre voraus zu bestimmen; aber Vorbedingung dazu ist, dass man dem Vogel erst einen Thron baue, von dem herab er seine Weissagung ertheile, dies ist ein aus Binsen geflochtner Sessel, westfälisch der Kukukesstaul genannt (Woeste in Wolfs Ztschr. 2, 95). Alsdann spricht man:
Gugguger im Sessel,
Gieb mir dein Geld zu lesen,
Will dein Geld dir wieder geben,
Sag, wie viel Jahr thu ich leben?
Andr. Strobel, Geistl. Kartenspiel, Sulzbach 1693, 1 Th. 118. In Sommers Thüring. Sag. no. 9 kommt in den Zwölften unter wunderbarem, weit vernehmbarem Sausen, eine Frau durch die Luft geflogen, welche die Gestalt einer gewöhnlichen Taube hat, aber an ihren Füsschen ein kleines Schilfstühlchen mitträgt, das sie, wenn sie müde wird, auf den Boden stellt, um darauf auszuruhen. Sie selbst berührt die Erde nie, wo sie aber das Stühlchen hinsetzt, da grünt und blüht es im folgenden Sommer am schönsten und fruchtbarsten. Am Morgen des Dreikönigtages wird die Taube wieder zur Frau. Hier ist der Frühlingsbote, Kukuk oder Taube, die ihn aussendende Himmelsherrin selbst, nemlich Frigg die Göttermutter, die nach Paulus Diaconus Frea heisst und neben dem Gemahl Gwodan auf dem goldnen Thron in Walhalla sitzt. Als Frühlingsgöttin steht Freyja-Frigg der grossen Maifeier vor, denn in den Niederlanden heisst der Mai Vrymänd. Compte rendu, Bruxelles 1843.
VII. 1, 29. Menzel, Vorchristl. Unsterblichkeitslehre, 2, 243.