des Königs zurück geht. Der Erwachende erzählt, vom grossen Flusse mit Eisenbrücken geträumt und im hohlen Berge den Hort der Ahnen erblickt zu haben. Grimm, DS. no. 428 (zweite Aufl. no. 433).[[19]] Einige ähnliche Sagen aus Böhmen theilt Grohmann mit in Apollo Smintheus pg. 22. Die ausfahrende Seele nimmt auch noch anderer Thiere Gestalt an, zumal geflügelter. Aus dem Munde schlafender Hexen bricht eine Fliege (Grimm, DS. 2. Aufl. no. 408), eine Hummel, Wespe, ein Schmetterling hervor. Grimm, Myth. 1031, und Vonbun, Beiträge 2, 83. So viel von den Mäusen als ausfahrenden und umwandernden Menschenseelen. Sind die Mäuse damit Geister, so können sie sowohl Segens- als auch Rachegeister werden, den Freund beschützen und den Feindseligen vertilgen, und daraus wird ihr Erscheinen überhaupt den Völkern allgemein zum Omen. Das Gleichgültigere sei hier wiederum vorangestellt, um zum historisch Wichtigen emporzuführen. Unser übelverstandner Ausdruck maustodt, anstatt mhd. murztot, holländ. morsdood, spielt auf Maus und Scheermaus an, deren Stossen im Wohnhause auf den Tod des Hausherrn gedeutet wird. Träumt man von Mäusen, so wird es nächstens etwas Ungerades geben; klettert die Maus an der Zimmerwand, so entsteht Hauszank; raschelt sie im Bettstroh, so betrifft den Schläfer schon am Morgen Unheil; nagt sie an seinem Kleide, so stirbt dieser bald. Verlassen sämmtliche Mäuse mit einem Male das Haus, so ist dies mit Aussterben bedroht; man sagt: viel Müs, wenig Lüt. Salom. Landolt, Reime und Lieder, Aarau 1845, sagt S. 326 von der Maus:

Der Aberglaube redt re noh,

(Me cha zwar uf das G'schwätz nid goh,

Glaubt' i's, i müesst mi schäme):

Verlöi die Fründi d'Wohnig ganz,

Geb's i dem Hus en andre Tanz,

Das heisst, es g'hei bald z'säme.

Mäuse verkündeten den Ausbruch des marsischen Krieges, als sie die Silberschilde zu Lanuvium benagten, und den Tod des Feldherrn Carbo, als sie dessen Schuhriemen zerbissen. Cicero de Divin. 2, 27. Plinius HN. 8, 82. Als die Philistäer die Bundeslade geraubt und in Dagons Götzentempel aufgestellt hatten, schlug Jehovah sie mit der Beulenpest und ihre Felder mit dem Mäusefrasse (percussit inimicos in posteriora. Psalm 77, 66). Nach sieben Monaten lieferten sie die Arche wieder zurück und übersandten dazu in einem Kästlein als Sühnkleinode fünf goldne Mäuse und fünf goldne Aerse, beides nach er Zahl der mit der Doppelplage heimgesucht gewesnen philistäischen Landschaften. 1. Sam. 6, 4. Aehnliche Sühnbilder sind dem ganzen antiken Alterthum gemeinsam. Der Priesterkönig Sethon, der die Pest abgewendet hatte, erhielt dafür eine Bildsäule, welche in der einen Hand eine Maus hielt. Herodot 2, 141. Vergoldete Aehren und goldne Mäuse wurden der phönizischen Ceres zum Sühnopfer gebracht. Welcker, Griech. Götterl. 1, 484. Im kretensischen und im äolischen Dialekt bedeutet Apollos Beiname Smintheus eine Feldmaus, Münzen von Tenedos stellen ihn mit dem Pestpfeil und der Maus dar, sowie auch eine Münze von Metapont die sechszeilige Gerstenähre zugleich mit der Wanderheuschrecke und der Maus aufweist. O Heer, Pflanzen der Pfahlbauten. Selbst Athene, wie man sie auf Gemmen dargestellt sieht (Tassie no. 1585), trägt die Maus auf dem Brustharnisch oder auf der Schulter. Menzel, Vorchristl. Unsterblichkeitslehre 1, 22. In allen diesen Sinnbildern ist mithin die Pestseuche an den Misswachs, dieser an den Mäusefrass geknüpft, und die agrarischen Gottheiten nehmen das ihnen in Form einer Maus dargebrachte Opfer an und heben die herschenden Uebel

auf, indem sie die Mäuse vertilgen. Dieselbe Abhülfe wird nun aber auch durch die hl. Gertrud gewährt, welche, indem sie die Mäuseplage aufhebt, zugleich die Seuchen abwendet. So lange schon Gertrud ein Standbild in der Kapelle zu baierisch Hermatshofen besitzt, hat sie von diesem Orte stets die Viehseuchen abgehalten. Panzer, BS. 2, 157. Dahin gehört die allbekannte Sage vom Rattenfänger zu Hameln. Da sich an sie die Geschichte von der magischen Pfeife knüpft, mit deren Tone die Mäuse vertrieben werden, und hiervon noch später bei Gelegenheit der in Mausform gebackenen Erntenudel wiederum die Rede sein muss, so folgt hier diese Hamelner Geschichte in der Fassung nach, wie sie Balth. Becker in der Bezauberten Welt lib. 4, S. 157 des Mart. Tschockius Fabula Hamelensis nacherzählt. Als die Stadt Hameln a.d. Weser im J. 1284 mit einem Haufen Mäuse und Ratten geplagt war, die alle Frucht wegfrassen, kam man mit einem fremden Mann überein, der sich gegen Geld erbot, sie aus der ganzen Gegend wegzuschaffen. Er holte aus seiner Henktasche eine Pfeife hervor und sowie er darauf spielte, kamen die Mäuse aus den Hauswinkeln, Dächern und Dachrinnen zu Haufen hervor und folgten ihm zur Weser. Er trat sein Kleid aufschürzend in den Strom, die Thiere ihm nach und ertranken. Nach verrichteter Sache begehrte er den bedungenen Lohn. Allein die Bürger waren nicht geneigt zu bezahlen. Da erschien er am folgenden Mittag wieder, diesmal in Jägertracht, sein Hut war purpurfarbig, seine Gestalt von erschreckender Länge, und nun spielte er eine andere, von der gestrigen weit verschiedene Pfeife. Da liefen ihm binnen einer Stunde alle Kinder der Stadt zu, vom vierten bis zum zwölften Altersjahre, die führte er, 130 an der Zahl, in eine Höhle des vor dem Thor gelegenen Koppenberges, und keins von ihnen ist nach diesem wieder gesehen worden. Man sagt, er habe sie zweihundert Meilen weit unter der Erde fort his nach Siebenbürgen und dorten erst wieder ans Licht geführt; denn seitdem spricht man in diesem Lande niedersächsisch.—So