zahnen: Aus Wolfs- und Rosszähnen bestand die Halsschnur, die man zahnenden Kindern sonst umhieng, und selbst unter den Fundstücken, die man seit 1857 aus den Pfahlbauten des Bodensees erhebt, zeigen sich die Zähne des Bären und Wolfes, durchbohrt, um an Schnüren als Amulette getragen zu werden. Zürch. Antiq. Mitthll. 12, Heft 3, 139. Damit stimmt die doppelte Notiz bei Plinius überein HN. 28, cap. 78, und 30, cap. 7: Wolfzähne werden zahnenden Kindern gegen Erschreckung, und Pferden gegen Ermüdung angehängt, ausgerissene Maulwurfszähne gegen Zahnschmerz. Weil die Maus Alles benascht, streut man dem naschenden Kinde heimlich eine gepulverte Maus auf die Speise, damit soll der eine Dieb den andern abschrecken. Höchst auffallend aber bleibt der sg. Maustrank, ein Volksmittel, von welchem die älteste und die neueste Zeit zu erzählen hat. Das Pönitentiale des hl. Bonifacius und dasjenige von Angers (Poenitentiale Andegavense) schreiben dem Priester vor, die Frage an sein Beichtkind zu stellen, ob es von dem zauberhaften Maus- oder Wieseltrank genossen habe: edisti de liquore, in quo mus aut mustella mortua invenitur? Das Verbot gegen diesen Trank wird von mehreren Kirchenschriftstellern, darunter Regino und Burchard von Worms wiederholt, zugleich den Bischöfen aufgetragen, bei der jährlichen Kirchenvisitation strenge Nachforschung hierüber anzustellen. Auffallender Weise aber lebt die Unsitte bis heute fort. In baierisch Rosenheim gilt als probates Mittel gegen Epilepsie eine Maus, die gewiegt, gekocht und verspeist werden muss, und ein sehr verbreitetes kostspieliges Geheimmittel, welches von Frankreich aus in Ruf gekommen ist, besteht nach neuerlich angestellter Analyse aus pulverisirten Mäusen. Bavaria 1, 464. Nun behauptet zwar die uns persönlich umgebende schweizerische Volksmedicin, Bettnässer seien dadurch zu heilen, dass man ihnen eine in Wein destillirte Maus zu trinken gebe; allein man lasse sich hiebei nicht dadurch irreleiten, dass auch schon Plinius NG. 30, c. 47 den Kindern, welche

den Harn nicht verhalten können, gepulverte Mäuse unter der Speise zu essen verordnet; denn diese Heilmethode gründet sich auf ein blosses Wortspiel und steht nicht in entfernter Beziehung zu jenem dem Thiere beigemessenen, dämonischen Charakter. Nach dem Medicinischen Lehrsatze, Gleiches mit Gleichem zu vertreiben, schlägt nemlich Plinius vor, die Muskelschwäche am Halse der Harnblase durch eine eingenommene Maus zu heilen, da latein. musculus beides ist, Muskel und Mäuslein. Die deutsche Medicin nahm nicht bloss diese gleiche Benennungsweise, sondern auch die daran geknüpfte Heilmethode an, um so mehr, als beides ursprünglich unter dem Einflusse der wälschen Universitäten zu Padua und Montpellier stand. Peter Vffenbachs Newes Artzneybuch ist eine Uebersetzung der Chirurgie des Hieron. Fabricius ab Aquapendente, Professors zu Padua, und schreibt daher (Frankfurter Ausgabe von 1605, S. 127) wörtlich nach: "Das Bettharnen der Kinder entsteht, wenn das Mäusslin, so umb den Hals der Harnblasen herumbliegt, verletzt wird und dem Willen des Menschen nicht mehr gehorchen kann." Die späteren Aerzte gebrauchen denselben Ausdruck und pflanzen den daran geknüpften Aberglauben fort. "Der Geist kumpt durch die müssly vnd neruen vssgespreitet zum hirn", schreibt der Zürcher Arzt Jak. Rueff, von Empfengknussen, Zürich 1554, Blatt 126b; Johann von Muralt lehrt in seinem Hippocrat. Helvet., Basel 1692, 45: "Wann die junge Kinder so hart verstopft, also dass jhnen der Leib auflauft, so gib jhnen ein wenig Mausskoht mit der Muttermilch ein."

Ein ähnliches Wortspiel scheint nach Nork, Realwörterb. 3, 125, der schon vorhin erwähnten Stelle l. Sam. 6, 5 zu Grunde zu liegen, weil die dorten enthaltenen Stichwörter Pestbeule und Maus im Hebräischen stammverwandt sind und Maus im Syrischen auch ein Geschwür bedeutet.

Der Name Maus, sanskrit mûscha, abgeleitet von der Wurzel mûsch, stehlen, bezeichnet einen Dieb, weshalb denn das indische Gesetzbuch Yajnavalkya III, 214 (übers.

von Stenzler) zustimmend besagt: "Eine Maus wird der Getraidedieb sein, denn wie die verschiednen Gegenstände sind, so sind auch die Gattungen der lebenden Wesen." Das Wort behält diesen Begriff in allen indogermanischen Sprachen bei: mausen bedeutet stehlen. Quasi mures semper edimus alienum cibum, lässt Plautus in den Gefangenen den Schmaruzer sagen. In des Hieron. Bock Teutscher Speisekammer, 1555, sagt das Vorwort:

Mein frischgebachen brot

muoss leiden vil der not

von hunden vnd von katzen,

von meusen vnd von ratzen,

zerhülchen's, schliefen drein,