wolt, sie schwimmen im Rhein!

Die Regeln der Haus- und Landwirthschaft setzen daher seit ältester Zeit für bestimmte Zeitfristen allgemein beobachtete Ueblichkeiten fest, durch die man dem schädlichen Einfluss des Thieres zuvorzukommen glaubte, indem man theils ihm selbst, theils den Geistern opferte, in deren Gefolge es erschien. Deutliche Spuren hievon liegen noch in unseren Fasnachts- und Erntebräuchen. Man darf um Weihnachten und Fasnacht, wo die Elben in Mausgestalt ihre Julzeit, halten (Volksglauben in der Mark), oder wo nach oberdeutschem Glauben Berchta-Holla ihren Umzug hält, nicht spinnen, sonst zerzausen die Mäuse den Flachs. Das Mäuslein beisst! ist ein besonderes Drohwort, gleichwie im Gedichte von den Sieben Schwaben der gewichtigste Fluch lautet: Dass dich das Mäuslein beisst! denn alles was man in der Fasnacht spinnt, das fressen die Mäuse (Aargau). Man darf alsdann die Mäuse auch nicht bereden, sonst stehlen sie das Korn von der Schütte. Anstatt Maus sagt man dann (nach Kuhns Nordd. Sag. pg. 411) Bönlöper, Scheunenbodenläufer, in Dänemark Tede, die Kleinen. Noch im vorigen Jahrhundert hielt man diesen Brauch so fest, dass der dänische Ortspfarrer Laurids Muns († 1774) während der berufenen Weihnachtszeit bei seinen Pfarrkindern stets nur Herr Tede genannt wurde. Handelmann, Nordalbing.

Weihnacht. pg. 13. Die Rindfleischsuppe, die vom Fasnachtsdienstag im Kochkessel übrig bleibt, schüttet man gegen die Kornmäuse in die Mauslöcher. H.L. Fischer, Buch v. Abgl. 1790. 1, 237. In Grochwitz bei Torgau bäckt man die Fasnachtsküchlein. in einer Eisenform, von der es heisst, man stosse mit ihr dem wühlenden Maulwurf die Schnauze ab. Man erkauft also hier das Gedeihen der künftigen Ernte mit einem Opferbrode voraus. Dasselbe gilt in Altbaiern; hier wird dem Gesinde des Hofbauern die Mehlspeise der gebacknen Mäuschen als Fasnachtsgericht aufgesetzt; dafür hat es theils bei Nacht, theils schon vor Sonnenaufgang die Strohbänder für die Garben der Ernte vorauszuflechten; da die Mäuse dieser Nachtarbeit nicht mit zusehen können, so werden auch die Garben vor ihnen sicher bleiben, jedoch vermehren sich die Mäuse, wenn man ihnen über dieser Arbeit flucht. Bavaria 2, 300.

Beim Einbringen des Korns stellt man drei Garben mit den Aehren nach unten gekehrt in die Tenne; dies gehört den Mäusen, die hiemit sich begnügen und den Geizigen heimsuchen mögen. Die Beinchen vom Osterfleischkuchen, welcher aus Teig mit gehacktem Kalbfleisch besteht, streut man gegen das Wühlen des Maulwurfs in dessen frische Gänge. Grohmann, Böhm. Abgl. S. 58. In böhmisch Raudnitz hebt man vom Schmalz, worin man die Fasnachtskrapfen bäckt, bis zur Ernte auf und salbt damit die Räder des Erntewagens. Sobald dieser vor der Scheune ankommt, fragt der abladende Knecht den Fuhrmann: Was fährst du? Dieser antwortet: Die Katze für die Mäuse. Alsdann werden keine Mäuse in die Scheune kommen. Schon die Brosamen vom Weihnachtsmahl schüttet man in die Scheunentenne und spricht: Mäuschen, esst diese Bröckchen und lasset das Getreide in Ruhe! Grohmann, Apollo Smintheus 38. 27. Im Wittgensteinischen wird in die erste Scheunengarbe ein Käse gebunden und der sie Abladende fragt den Fuhrmann Wann haben wir Christtag? Antwort: Ich weiss es nicht. Ei, erwiedert Jener, so wissen die Mäuse auch nicht, wo ich

meine Gerste hinlege. Kuhn, Westf. Sag. 2, S. 187. In des Albertus Magnus Egypt. Geheimnissen Heft 3, 73 heisst es: "Wann du das Korn zum ersten einführst, so nimm die erste Garbe, die du in den Baren legst, in deine rechte Hand und sprich:

Da leg ich dem Menschen das Brot

und allen Mäusen den bittern Tod."

Meklenburger Erntebrauch ist, den ersten Kornwagen nicht abzuhalmen, auf dass die Mäuse das Korn nicht fressen. Schiller, Thier- und Kräuterb. 3, S. 9a.

Hier folgt nun eine Beschreibung der zu verschiednen Jahreszeiten in Mausform gebackenen Zweckbrode.