Mit erstem Frühlingsbeginn nimmt die oberdeutsche Bäuerin junge Salbeiblätter, wickelt sie in Eierteig und bäckt sie in Butter ab; hinten muss dann der Blattstiel gleich einem Mausschwänzchen aus der Nudel vorstehen. Die um dieselbe Zeit für den Marktverkauf gebackenen grösseren Brodnudeln haben eben dieses Schwänzchen, doch ist es ein thönernes, damit die Kinder darauf pfeifen können. Marx Rumpolts Kochbuch von 1581, Bl. 167b wählt zur Einlage in dieses Mehlmäuslein die Pflanzen Bertram, Borrag und U. Frauen Blätter. Noch älter ist folgende Notiz in der Inkunabel Kuchenmaistrey, o.O.u.J. Blatt 19. 20: ein gutz gebachen von Salvey. nim dür leutzbiren vnd mach sie schôn. seüd sie weich vnd stoss sie in einem morsser. bestreich ein saluenblat damit vnd deck ein anders daruber, druck sie auch sitlichen zusammen, dz sie auch bey einander bleiben. mach ein straubenteiglein mit honig vnd wein, zeuch es dardurch vnd bach es. Auch Fischart im Gargantua cap. 8 singt von dieser Nudel:
Bachen wir ein Küchelein,
Meuselein und Streubelein
Und trinken auch den kühlen Wein,
Kaku-kaka-nai,
Dass man fröhlich sei.
In A. Corrodi's Zürcher Idyll De Dokter (Winterthur 1860,
S. 45) heisst es von der städtisch bereiteten gezuckerten Mausnudel:
Müsli, weischt, du kännsch es ja wol, sind gar nid z' verachte,
Wämmä de Zucker nid spart und wämmä cha gnueg devu esse.