an der Elbe üblich und durch ein besonderes Volksgelübde daselbst gestiftet gewesen. Die dortigen Lutheraner ruhten jährlich drei halbe Werktage von aller Arbeit und begaben sich zur Anhörung einer Predigt, durch die man zugleich dem Hagelschlag wehrte. Eine solche Rede findet sich in Zerrenners Ackerpredigten, Magdeburg 1783, 282.
Ein sehr alter und imponirender Zweig dieser Feste war der Mairitt; schon die Reimchronik von der Soester Fehde (bei Emminghaus, Memorabil. Susat. 1749, 660) nennt ihn einen Brauch aus alter Zeit: Up Walpurgis, als men in den meien plach tho riden na alter zede und gewonte. Die Ankenschnittenprozession zu luzernisch Beromünster wird bereits in der Urkunde von 1223 erwähnt bei Neugart, cod. diplom. no. 190. Sie wird am Himmelfahrtstage von den Stiftsherrn, den Rathsgliedern des Ortes, der Dragonermannschaft und den sich anschliessenden Wallfahrern zu Pferde abgehalten, Kreuz, Fahnen und Monstranz folgen zu Rosse mit, vom Rosse herab wird gepredigt. Der Ritt geht vom Städtlein weg auf aargauisches Gebiet nach Maihausen, wo der Hofbauer nach alter, auf dem Gute haftender Verpflichtung jedem beritten Mitkommenden eine frische Ankenschnitte bereit halten muss, die dieser seinem Reitpferde ins Maul stösst. Diese und ähnliche berittene Prozessionen sind bereits ausführlich beschrieben in den Naturmythen (Leipzig 1862) S. 17; nur das mittlerweile neu gefundene Material wird hier nachgetragen. Der Blutritt in Schwäbisch-Weingarten wird am sg. Wetterfreitag, am Tage nach Himmelfahrt abgehalten. Mit Ausschluss der Wallfahrer zu Fusse hat man dabei schon über siebentausend Reiter gezählt. Franz Sauter, Kloster Weingarten 1857, 35. In den oberschwäbischen Dörfern findet der Maithauritt am 1. Mai Morgens um 1 Uhr statt und kehrt mit Sonnenaufgang wieder heim. Man lagert in einem Walde, ist guter Dinge und lässt am Rückwege die bequem gelegnen Wirthshäuser nicht unbesucht. Birlinger, Schwäb. Sag. 2, no. 123.
Bei den Vlamingen heissen die am 1. Mai veranstalteten kirchlichen Umritte Marienprozessionen, doch fällt derjenige zu Anderlecht bei Brüssel auf Pfingsten, der in Haeckendover bei Tirlemont auf Ostern. Bei letzterem wird unter zahlreichen Pistolenschüssen dreimal die Kirche umritten, dann gehts mit verhängtem Zügel quer über die Felder, indem man annimmt, dadurch werde die Ernte eine gesegnetere. Ein Bauer, der sich diesem Herumtraben auf seinem Felde widersetzte, fand nachher alle Aehren leer. Wolf, Ndl. Saga no. 345. In Anderlecht ward ehemals derjenige, welcher nach dreimaligem Wettjagen der erste am Kirchenportal anlangte, zu Ross und mit dem Bänderhut auf dem Haupte von dem ganzen Kapitel in die Kirche geführt, da mit einem Rosenkranz geschmückt und feierlich wieder hinaus geleitet. Reinsberg, Festl. Jahr. 140. Beim sg. Königsreiten in österreich. Schlesien, wobei Dorfrichter, Geschworene und alle Pferdebesitzer der Gemeinde, geistliche Lieder singend, die Ackerzelgen umreiten, wird der beste Wettrenner König. In Sachsen gilt um Pfingsten das Kranzreiten nach einem geschmückten Baum, ist aber in Nietleben bereits zum "Betteln reiten" herabgesunken. Sommer, Thüring. Saga S. 154. Unsre rechtgläubigen Bauern, bemerkt über die fränkische Bevölkerung in der Ansbacher Gegend Reynitzsch (Truhtensteine 143), reiten ihre Pferde am Ostertage ins Osterbad, gleichwie wir an demselben Tage uns neue Kleider anschaffen und die Zimmer ausweissen lassen. Johannes Boem, genannt Aubanus, von seiner Geburtsstadt Aub in Unterfranken, schrieb 1530 De moribus, legibus et ritibus gentium, woraus Ign. Gropp (Collectio Scriptor. Wirceburg.) den Abschnitt mittheilt, welcher das Frankenland betrifft; hier ist der würzburgische Pfingstritt also beschrieben: Pentecostes tempore ubique fere hoc agitur. Conveniunt quicunque equos habent aut mutuare possunt, et cum Dominico corpore, quod sacerdotum unus, etiam equo insidens, collo in bursa suspensum defert, totius agri sui limites obequitant, cantantes supplicantesque, ut
segetes Deus ab omni injuria et calamitate conservare velit. Alljährlich zweimal, am 10. Mai und am zweiten Pfingsttage, begeht das südfranzösische Dorf Villemont das Kirchenfest seiner Ortsheiligen Solangia und trägt deren Reliquien in Prozession hinaus auf die Almende, welche Solangiafeld heisst und den von der Heiligen gegangenen Pfad noch aufweist, auf welchem das Gras stets schöner und dichter steht als auf dem angrenzenden Weideland. Da dieser Pfad die Zahl der Andächtigen, die oft bis auf Fünftausend anwächst, nicht zu fassen vermag und folglich da und dorten in die Saat hinausgeschritten wird, die um Pfingsten schon ziemlich hoch steht, so nimmt diese dabei gleichwohl keinen Schaden, sondern richtet sich schon zwei Tage nachher wieder selbst auf; ein Wunder, von welchem sich Prinz Heinrich von Bourbon im J. 1637 mit eignen Augen überzeugt haben soll. Das Gegentheil aber erfolgte an dem Flachsacker eines Geizigen, als der Eigenthümer hier der Prozession den Durchgang verweigerte; es fiel Mehlthau, der Sonnenstrahl schlug zu und die Anpflanzung wurde brandig. Godefr. Henschenius in Actis SS. tom. II, ad diem 10. Maii.
Solcherlei Frühlingsbräuche, die jungen Saaten prozessionsweise zu umreiten und zu durchreiten, stützen sich auf heidnischen und auf alttestamentlichen Glauben und wollen Abbilder sein eines den Göttern selbst beigelegten gleichen Thuns. Die Psalmenstelle 65, 12—Du krönest das Jahr mit deinem Gut und deine Fusstapfen triefen von Fett—liess eine Gottheit erblicken, welche das reifende Kornfeld persönlich beschreitet und mit ihrer Fussspur ertragsfähig macht, weshalb das Kirchenlied von Nikolaus Hermann "Um gut Gewitter und Regen" Strophe 9 jene Worte nachdrücklich wiederholt:
Umkrön das Jahr mit deiner Hand,
Mit deinen Fussstapfen düng das Land.
Hier ist der hl. Benno durchgegangen, sagen die preussischen Wenden von besonders gesegneten Feldern (Preusker, Vaterl. Vorzeit); von dem auf den Bergwiesen striemenweise
fetter und üppiger wachsenden Grase sagt der Tiroler, hier ist der fromme Graf Leonhard geritten, hier ist der Alpgeist mit schmalzigen Füssen drüber gegangen (Zingerle, Tirol. Sag. no. 963. Tirol. Sitt. no. 314); hier ist der Kornweg des ausreitenden Rodensteiners, sagt der Hesse von den durch die noch grüne Frucht hinziehenden gelben Streifen vorreifender Kornähren. Wolf, Hess. Sag. no. 31. 56. Von den über die Spitzen des Aehrenfeldes hinschwebenden Hufen des Götterrosses versprach sich die Landwirthschaft vormals denselben Vortheil, den sie heute von den Merzwinden erwartet, diese haben nemlich dem jungen Halme Widerstandskraft gegen die sommerlichen Strichregen und Windstösse zu geben, dann wird er sich weniger lagern und die Aehre weniger ins giftige Mutterkorn schiessen. Auf eine ganz nahverwandte landwirthschaftliche Erfahrung stützt sich auch der Ritt in den Maienthau. Bekanntlich hängt die Befruchtung der Kornähren vom Samenstaub ab, den der Wind durch die Bewegung der Blüthen ausschüttelt und verbreitet. Diese Verbreitung geschieht aber bei der Unregelmässigkeit der Bewegung nur unregelmässig, daher bleiben viele Hülsen der Aehren taub. Der aargauer Bauer im Freienamte übt nun seit alter Zeit folgende Methode zur künstlichen Unterstützung der Befruchtung aus. Von beiden Breitseiten des Kornackers ziehen zwei Männer ein Seil über der Höhe des blühenden Getreides hin und streifen damit gelinde den Morgenthau ab. Dadurch werden nun einige der Aehren zwar "ringrostig", nemlich etwas brandig gemacht, die übrigen aber gegen das Sichlagern gestärkt und der ausfallende Samenstaub wird in ihnen gleichförmig vertheilt. So wird also Brand und Mutterkorn verhütet, die aus einer und derselben Ursache, aus nicht stattgefundner Befruchtung entstehen. Dieser Naturvorgang ist von den Griechen vergöttert, in Kunstgebilden dargestellt und bis auf die Athene übertragen worden. Unterhalb der Akropolis zu Athen stand der Thurm der Winde, unter dessen acht Relieffiguren auf einer seiner acht Seiten der
Ostwind (Apeliotes), der den gedeihlichen Saatregen mit sich führt, dargestellt war als ein Genius mit heitrer Miene, geflügelt, mit flatterndem Gewande einherschwebend, in den Falten seines Mantels einen Bienenkorb tragend und neben reifenden Früchten eine Kornähre. Droben auf der Akropolis stand die Athenestatue, die den Beinamen Pandrosos (Allesbethauende) führte, als eine andere Demeter verehrt wurde und Aehren in der Hand trug (Welcker, Griech. Götterl. 1, 313). Diesen ihren Beinamen hatte sie nach demjenigen der drei Töchter des Cekrops, welche Aglauros (Schimmernde), Herse (Thau) und Pandrosos (Allthauig) hiessen und den Erysichthon (Ackermann) zum Bruder hatten, der auch Aithon (Brand und Mehlthau) hiess. Die Thaufeste, Ersephorien, sollten dem Mehlthau steuern und waren der Athene gewidmet.