Gott geb dir des Himmels Thau
Und die Fettigkeit der Au
Und die Fülle der Halmen
Und den Most der Palmen.
Die Festbräuche beim Sommerempfang, da man zu den wieder fliessenden Brunnquellen in hellen Haufen hinausrückte, die darauf gegründeten örtlichen Wasserrechte in Scheingefechten vertheidigte, mit Waldzweigen geschmückt wie ein wandelnder Wald heimkehrte und die frischen Maien um den Ortsbrunnen steckte—haben sich als das Fest der Bannbeschreitung, der Oeschprozession und des Mairittes hier und da noch gefristet, und vervollständigen diesen vorliegenden Abschnitt vom Maienthau nicht nur, sondern schliessen ihn erst wirklich nachdrucksam ab.
Vom 1. Mai an werden in oberdeutschen Landgemeinden die Grenzbesichtigungen des Bannkreises unter den verschiednen Benennungen der Bereisung, Landleite, Bannbeschreitung, des Flur- und Fohrumganges vorgenommen. Die ganze männliche Bevölkerung des Ortes, Jung und Alt, ist verpflichtet daran Theil zu nehmen und wird den Tag über auf Gemeindekosten verpflegt. Die dabei vorkommende
symbolische Gedächtnisschärfung, die an der mitziehenden Jugend bei jedem neuen Marksteine mit Ohrenzupfen, Ohrfeigen und Einstutzen (auf den Stein stossen) vorgenommen wird, ist hinlänglich bekannt; eben so wenig bedarf es einer Beschreibung, wie viel Pulver dabei aus den Knabenpistolen verknallt und welches Weinquantum vom Männerdurst weggetrunken wird, um dann nach lustigem Tagwerke dem Küchleinbackwerk entgegen zu ziehen, dessen würziger Duft vom Vaterorte her entgegen dampft. Die städtischen Bürgerschaften pflügten ebenso unter grossem militärischen Aufwande ihr Gebiet zu umgehen, haben jedoch seit dem Schlusse des vorigen Jahrhunderts der Kosten wegen es in Vergessenheit gerathen lassen. Dagegen haben sich katholischer Seits zu Stadt und Land die Oeschprozessionen reichlich noch behauptet. So nennt man den auf 1. Mai fallenden kirchlichen Flurumgang, bei welchem an vier in den verschiednen Zelgen der Dorfflur errichteten Altären die vier Evangelien abgelesen werden; der Priester besprengt die Flur mit geweihtem Wasser und besegnet sie mit dem Wetter- oder Schauerkreuz. Unter den bei diesem Bittgange durch Bischof Wessenberg seit 1805 vorgeschriebnen Versikeln und Liedern schliesst ein von der ganzen Gemeinde gesungenes:
Deine milde Hand giebt Segen,
Giebt uns Sonnenschein und Regen.
So wird der Umgang im aargauer Frickthal und im jenseitigen Schwarzwalde abgehalten. Anderwärts geschieht dies schon am Markustage, 25. Apr. In Tirol glaubt man, diese Prozession sei älter als das Christenthum selbst, denn schon der Heiland habe derselben beigewohnt. Zingerle, Tirol. Sitt. no. 720; und allerdings findet sie sich unter dem Namen Rogationes schon unter den Karolingern kirchlich eingeführt (Rettberg, Kirchgesch. 2, 791) und war eine Fortsetzung der alten Robigalien; zur Abwehr des Rostes im Getreide veranstaltet. Diese Bittgänge waren unter dem Namen der Hagelfeier-Predigten selbst bei der protestantischen Bevölkerung