Stöber, Elsäss. Sag. no. 231. In der Oberpfalz lautet dieser Spruch, nach Panzers BS. 2, 301:
O du guter Walbernthau,
Bringe mir, so weit ich schau,
In jedem Hälmlein Gras ein Tröpflein Schmalz!
Im Vinschgau werden am 1. Mai die "Madlen gebadet". Jedes Mädchen, das sich am Wege zeigt, wird von den Burschen gegen ein Bächlein gejagt und da begossen oder getaucht. Beim Schemenlaufen in der Perchtenmaskerade darf die Kübelmarie, "Kübele-Maja", nicht fehlen, eine Maske, die in den Brunnen springt und die Zuschauer begiesst. Zingerle, Tirol. Sitt. no. 747. 986. Wer zuerst vom Pflügen oder Aussäen heimkehrt, wird in der Oberpfalz aus einem Verstecke heimlich mit einer Schüssel Wasser begossen. Schönwerth 1, 400. Zu Wall in Böhmen bläst am 1. Mai der Dorfhirte alle übrigen Hirtenjungen zusammen, die dann eiligst dem Sammelplatze zulaufen. Wer zuletzt kommt, wird begossen. Reinsberg, Festl. Jahr 138. In Marseille begiesst man sich zu Johannis gegenseitig mit wohlriechenden Wassern. Simrock, Myth. 587. Am Himmelfahrts- und Pfingsttage wurde durch jenes Loch des Kirchengewölbes, durch das die hölzernen Figuren des Salvators und der Taube emporschwebten, angezündetes Werg auf die Zuschauer herabgeworfen und Wasser gegossen. Wiedemanns Chronik d. St. Hof.
Diese Züge führen über zum Thau- und Minnetrinken. Gervasius von Tilbury (ed. Liebrecht, Otia imperialia, pg. 2) meldet aus dem 13. Jahrh., wie zu seiner Zeit in England der Morgenthau selbst bei Vornehmen als Pfingsttrank galt, und zugleich hat A. Kuhn (Nordd. Sag. S. 512) nachgewiesen, dass dieser Brauch noch heutigen Tages in Edinburg
auf dem öffentl. Platze des Arthurssitzes begangen wird. In dasselbe 13. Jahrh. fällt die Meldung von der Waldprozession, welche das Domkapitel zu Evreux am 1. Mai abhielt und sich da Zweige hieb zur Ausschmückung des Doms. Je zwei Tage vorher hatte es seit 1270 die Seelmesse für den Cleriker Bouteille zu begehen. Hiebei war im Kirchenchor ein Leichentuch aufs Pflaster ausgebreitet, an dessen vier Enden vier gefüllte Weinflaschen mit der fünften in der Mitte standen, die den Chorsängern preisgegeben wurden. Flögel, Gesch. des Groteskkomischen 170. 233. Vielleicht, dass man diesen welschen Mönchsbrauch aus dem altrömischen Feste der Anna Perenna (Ovid. Fast. 3, 523) ableiten möchte, wo an den Merz-Iden das Volk aus der Stadt an die ländlichen Ufer des Tiber zog und hier Laub- und Schilfhütten errichtete. So manchen Schluck da der Trinker nach einander aus dem Weinbecher thun konnte, auf so viele Lebensjahre hoffte er es zu bringen. Allein das vom Römerthum unberührt gebliebne Skandinavien kennt gleichwohl eine ähnliche Sitte. Die Bewohner Stockholms feiern den 1. Mai mit einer Art Auswanderung in den Thiergarten, wo man sich in den vielfachen Wirthschaften "Mark in die Knochen trinkt". Den Ursprung des Brauches kennt man dorten nicht mehr und schiebt ihn auf den Befreier Gustav Wasa, der am 1. Mai seinen Einzug in die Stadt hielt und sie von den Bedrängnissen einer langen Belagerung rettete. Allg. Augsb. Ztg. 1858, no. 132. Die deutschen Landschaften kennen ähnliche Wasser- und Weingelage, die altherkömmlich auf dieselben Tage fallen. In der Gemarkung von hessisch Gambach fliesst der Ehlborn (Oel lautet in dortiger Mundart Ehl), der ein so besonders gutes Wasser hat, dass die zu Gambach Sterbenden darnach zu verlangen pflegen. Wenn darum Kranke Wasser aus dem Ehlborn fordern, so gilt dies als ein Zeichen ihres nahen Todes, denn ein solcher Trunk, sagen die Leute, ist gleichsam die letzte Oelung. Wolf, Hess. Sag. no. 206. Dem Pfingstborn bei der Hanauischen Stadt Steinau schrieb man besondere Heilkraft zu,
sammelte auf der dortigen Pfingstwiese den Maienthau, trank denselben und wusch sich damit, und wenn alljährlich die Steinauer Kinder mit ihren Eltern hier heraus zum Frühlingsfeste zogen, so trugen sie eine Menge irdener kleiner Krüge mit, die ihnen als Trinkgefässe dienten, Pfingstinseln genannt. Lynker, Hess. Sag. no. 329. Zum Rimleinsbrunnen im Weissenburger Walde, wo Wilibald die Heiden taufte, macht alljährlich die Eichstädter Schuljugend ihren Waldmarsch und geniesst daselbst die für dies Jugendfest altgestifteten Ergötzlichkeiten. Die Quelle, die an der alten Walburgskirche zu holländisch Gröningen entspringt, ist unversiegbar und der Schatz der Stadt. Bolland. 522. Des Jungbrunnens, welchen Walburgs anderer Bruder Oswald am Ifinger in Tirol entspringen liess, ist schon im Vorhergehenden gedacht worden. Damit der Ordelbach zu Eichstädt, der über eine achtzig Fuss hohe Bergwand gegen das Walburgiskloster, niedergeht, beim Anschwellen im Frühlinge sein Felsenbette nicht sprenge, wird von den Nonnen heiliges Oel durch eine Felsenspalte in sein Wasser hinab gegossen. Schöppner, Bair. Sagb. no. 1136. Beim Brunnenkranzfeste zu Bacherach tragen Knaben und Mädchen die Symbole der künftigen Ernte im Orte umher, Semmel und Speck an Säbel gespiesst, und Eier und Butter in Körbchen. Die darauf gesammelten Gaben werden folgenden Tages beim Brunnenmeister verzehrt "in dickem Brei mit gelben Schnitten". Allverbreitet ist heute der dem Birkenbaume abgezapfte Maitrank und der mit Waldmeister angesetzte Maiwein; jedoch wohin sie beide und die vorhin genannten Maigetränke zielen, sagen uns einige im Erblassen begriffene Traditionen. Auf dem Walpersberge bei Dresden sitzt in der Walburgisnacht und zu beiden Sonnenwenden der Teufel auf hohem Stuhle und vertheilt an die Anwesenden Schwerter, um zu kämpfen. Dieser Teufel ist Odhin, die Versammelten sind die Einheriar, welche nach beendigtem Schwertkampfe von den methschenkenden Schlachtjungfrauen bedient werden. Menzel, Odin 240. Daher
tritt an die Stelle Walburgis zu dieser Festzeit oft auch die huldreiche Frau Holle und bietet den Verjüngungstrank. Bei thüringisch Arnstadt liegt der kräuterreiche Bergwald Walperholz, der einst auf seiner Höhe ein Walburgiskloster getragen haben soll. An einer Waldecke, genannt zur Hohenbuche und Jagdbuche, ist ein Rundplatz, wo niemals Gras und Kraut wächst, denn dahin ist der Geist einer betrügerischen Bierzapferin gebannt. Sie heisst Frau Holle, in altväterischer Tracht umgeht sie jene Buche und ruft: Vollmass, Vollmass! Bechstein, DSagb. no. 587. Damit ist die öl- und älschenkende Walburg als eine thauspendende Walküre angedeutet; noch dazu waltet sie in jenem durch das schon erwähnte, hier abgehaltene Maifest der Arnstädter bedeutsam gemachten Walde. Reynitzsch, Truhtensteine 187, hat hievon geschrieben. Ausdrücklich erzählt die Walburgislegende (Act. SS. tom. 2, pg. 301, cap. V), wie Fürstentöchter an Walburgis Grabe zu Monheim den ankommenden Pilgern Trank und Speise darreichen. Dabei kommt ein kostbares, im Kreise herum gebotenes Trinkgefäss (hanapp) plötzlich abhanden und kann weder wieder zum Vorschein gebracht, noch die Art seines Verschwindens ermittelt werden. Doch als die Wallfahrer, wieder auf der Heimreise begriffen, sich über jenen Verlust besprachen, stand es plötzlich unversehrt vor ihnen in Mitte ihres Weges. Es wurde ins Kloster zurückgeschickt und hier als ein neues Wunderzeichen aufbewahrt. Walburg heisst ferner ein runder Steinthurm hohen Alters bei der unterfränkischen Stadt Eltmann, er war von drei reichen Nonnen erbaut und konnte nicht anders eingenommen werden als durch ein blindes Ross, das man drei Tage hatte dursten lassen; alsdann verrieth es durch Stampfen den Belagerern die geheime Wasserleitung. Im benachbarten Hahnenwalde ist die Sigfrieds- und Drachensage lokalisirt. Panzer, BS. 1, no. 186. Walbele, Walberles- und Walburgisberg sind die volksthümlichen Namen der Erenbürg, eines hohen sattelförmigen Berges beim oberfränkischen Dorfe Wiesentau; das urkundlich 1062 genannt
wird und ein Bestandtheil des karolinger Königshofes Forchheim gewesen war. Des Berges Gipfel ist mit Steinwällen abgegrenzt, an seinem Fusse liegen Grabhügel, aus denen man antiquarisch berühmtgewordene kupferne Streitäxte erhoben hat. Hier war das Schloss von drei schönen Fräulein, die beim Trocknen die Wäsche nur in die Luft warfen, so blieb sie hängen. Panzer, BS. 1, no. 157. Auf dem Giebel steht eine Walburgiskapelle, bei der am 1. Mai Wallfahrt und Jahrmarkt abgehalten wird; Tausende kommen von allen Seiten herauf, schon vor Sonnenaufgang zieht man den Berg hinan. Die Aussicht über die blüthenreiche Landschaft ist reizend; zahlreiche Wirthe sorgen für unerschöpfliche Libationen bei den gleichzeitigen Brandopfern der duftenden Bratwürste. So erfüllt sich der alttestamentliche Segensspruch 1. Mos. 27, 28, in allen Theilen: