Alle schwer Genesenden pflegt man gemeinlich auf den näher rückenden Mai zu vertrösten als auf die Zeit ihrer gänzlichen Herstellung. Stillschweigend ist also vorausgesetzt, dass dieser Termin die besonderen Mittel gewähre, welche bislang dem Kranken gemangelt haben. Da bereitet man folgende Nervensalbe. Man schneidet am 1. Maimorgen Halme und Blätter aus dem Kornacker, zerwiegt sie und presst sie mit heisser Maibutter zu einem Pflaster. Gegen Augenentzündung blickt man eine halbe Stunde unbeschrieen in den Maithau. Gegen den Wolf (fratte Schenkel) sitzt man nackt ins Feld hinein. Das Rind, das an der Blutschwine, Abzehrung, leidet, wird in den Thau gestellt, das Zugvieh und das Ross hineingetrieben, wenn es einen "Hauptfehler" hat. Die Sommersprossen, Leberflecken und Merzensprickeln, die einem der Merz ins Gesicht gespieen hat, reibt man am Maimorgen mit einem thaugetränkten Tüchlein wieder weg. Vom Dorfe Leimen, im elsäss. Sundgau, eine halbe Stunde entfernt, fliesst im Orte Helgenbronn neben der dortigen Walburgiskapelle ein kräftiger Wasserquell, Helgenbronn und Kinderbrunnen genannt.

Am 1. Mai kommen die Mütter mit ihren siechen Kindern hieher, um sie zu baden; häufiger noch geschieht es auch an Johannis, 24. Juni, dass man hier die durch Sommersprossen verunstaltete Haut wäscht. A. Stöbers briefl. Mittheil. Kaspar Scheidt, Mayenlob (abgedruckt in Hubs Volksbb. des XVI. Jahrh. S. 316) beschreibt die allgemeine Sitte ausführlich und anmuthig, ins Maienbad zu reisen; die Bresthaften, die ihre Häuser nicht verlassen können, lassen sich im Mai daheim warme Bäder zurichten, es fahren die jungen Weiber darein, wenn sie noch keine Frucht zu erlangen vermochten, und wenn man daher ein Bild des Maien malt, so pflegt man zwei Eheleute beisammen im Wasserbade abzubilden, oder ein mit fröhlichen Leuten unter Trommel- und Pfeifenklang dahin ziehendes Schiff, oder junge wettschwimmende Gesellen.—König Albrecht hatte 1308 gerade seine Badefahrt beendet, im Städtchen Baden das Maifest abgehalten und war auf dem Wege, seine Gemahlin Elisabeth im benachbarten Rheinfelden abzuholen, als er am linken Reussufer von seinem Neffen und dessen Mitverschwornen meuchlings erschlagen wurde. Nicht lange, so ergieng gegen die Mörder die Blutrache. Ihre Burgen wurden gebrochen, ihre Burgmannschaften enthauptet, auch nicht die Kinder verschont. Agnes, des Ermordeten Tochter, so erzählt die Sage, soll dazumal durch das Blut der drei und sechzig Mann der Besatzung von Farwangen geschritten sein unter den grausigen Worten: "Jetzt im Blute derer gehend, die mir meinen frommen Herrn ermordet haben, bade ich in Maienthau". Die typisch gewesene allgemeine Redensart, aus welcher diese Sage entstanden, wiederholt sich z.B. in dem Liede vom baier. Krieg:

die Teutschen wurden wohlgemut,

sie giengen in der ketzer plut,

als wer's ain mayentawe.

Uhland, Schriften: "Sommer und Winter".

Auch symbolische Maibäder gab es, sowohl kirchlicher als bürgerlicher Art. Noch vor etlichen Jahren giengen

Schulmeister und Chorknaben in der Kolmarer Gegend mit Weihwasser, genannt Heilwag, von Haus zu Haus, und besprengten damit dreimal die Bewohner unter den Worten:

Heiliwog, Gottesgob,

Glück ins Hus, Unglück drus!