Nun begab es sich durch Gottes Schickung, der dem Bösen nicht seinen Willen lassen wollte, daß Klas mit seinen meisten Schiffen aus Noth hier jenen Morgen grade landete, als die Hinrichtung der unglücklichen Prinzessin geschehen sollte. Die Menge Menschen, die um das Schloß und an dem Strande und auf dem Felde rings herum toseten und wimmelten, der Schimmer und das Geklirr von Wagen und der Schall von Trommeln und Pauken machten ihn aufmerksam, und er erkundigte sich bei einem der Umstehenden, der ein Christ war, nach der Ursache des Gewimmels und Getümmels der Menschen und der vielen Kriegsleute. Jener aber erzählte es ihm alles und wie die Prinzessin in einer halben Stunde werde herausgeführt und jämmerlich auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden, und wie sie nicht zu erretten sey vor der heidnischen Wuth, denn der Heidenkönig habe mehr als zehentausend Kriegsleute bei sich, die sie zum Feuertode geleiten sollen. Und der Mann fing an bitterlich zu weinen, als er den Jammer auserzählt hatte.

Klas aber, als er alles so von ihm gehört hatte, ward blutroth vor Mitleid und Zorn, und sprach zu dem Manne: Das verhüte Gott und mein gutes Eisen, daß die Prinzessin sterbe! Und er schrie Grad dör! daß das Ufer rings wiederhallete und antwortete. Und seine Krieger verstanden den Schrei, und in einigen Augenblicken standen sie versammelt um ihn wohl dreitausend an der Zahl. Und er rief ihnen zu: Auf Gesellen! frisch mit dem Gotte der Christen! wir wollen die Prinzessin und die Christen von den schnöden Heiden erlösen. Sind ihrer zehentausend, so ist es euer Brauch, jeder wohl fünf auf sich zu nehmen. Frischauf denn! Gott sieht das Herz an und nicht die Menge. So sprach er und schallte noch einmal Grad dör! drein, und riß sie wie ein Blitz mit sich fort grade auf den Scheiterhaufen hin in dem Augenblicke, als die Prinzessin, mit Schwerdtern und Spießen umgeben, aus dem Thore herausgeführt ward. Und er ließ das Bluthorn blasen, und die Heiden trompeteten gegen, und der König hielt an ihrer Spitze und rief den Seinen zu: Frisch! Frisch! wie die See immer vom trockenen Lande zurückfließen muß, so werdet ihr diese elenden Seeräuber in ihr Element zurückspülen. Und sie trafen hart auf einander, aber Klas und Graddör waren den Heiden zu mächtig, und sie fielen vor ihm und seinen Wikingern, wie Haberstroh vor der Sichel fällt, wann es zu reif ist. Und als die andern Christen der Stadt und des Landes sahen, daß Klas die Oberhand bekam über die Heiden, da stürmten sie auch von allen Seiten auf sie; und in wenigen Stunden ward der Heidenkönig nebst allem seinem Volke erschlagen bis auf einige wenige, die durch die Geschwindigkeit ihrer Pferde mit der Prinzessin in das Schloß zurückgeflohen waren. Diese gaben wenige Stunden nach der Schlacht das Schloß und die Prinzessin auf um das Leben und den freien Abzug. Und Klas gestand es ihnen zu, weil ihrer so wenige waren, und ließ sie in Frieden abziehen.

Als Klas in das Schloß einzog, da war große Freude unter allem Christenvolke, daß Gott die Heiden so unter seiner Faust gedemüthigt und die Prinzessin vom Feuertode errettet hatte, und die alte Königin und die erlöste Prinzessin traten ihm an den Stufen des Schlosses entgegen und priesen sich glücklich, daß sie durch einen solchen Mann befreit worden. Denn durch den Schlachtruf Grad dör hatten sie sogleich vernommen, welch ein Mann für sie gestritten. Und sie nahmen ihn an die Hand und führten ihn die Stufen des Schlosses hinauf; er aber weigerte sich dessen und verneigte sich vor den königlichen Frauen tief bis zur Erde, wie es einem tapfern und ritterlichen Mann geziemt, und wollte hinter ihnen her treten. Sie aber wehrten ihm das, und die alte Königin sprach: wo ist eine Prinzessin in der Welt, die nicht die geehrteste wird, wenn ein solcher Mann und Held an ihrer Hand einher geht? Und er mußte ihnen wohl gehorchen und nebst seinen Helden sich am Mahle mit ihnen erquicken und in dem Schlosse und der Burg Herberge nehmen.

Die Königin hatte aber gleich bei sich bedacht, als sie Klas gesehen, und auch ihre Räthe hatten es ihr zugeflüstert: wo wäre ein Mann wie dieser, der das Christenthum hier emporbringen und das Heidenthum bändigen könnte? hat Gott uns diesen nicht wie ein Wunder durch den Sturm hergewehet und als den König und Retter des Volkes gezeigt? Und sie hatte sich viele süße Gedanken gemacht über ihre Tochter. Aber das verbarg sie noch in ihrem Herzen, und dachte: Gott wird es schon machen, wenn es gut ist. Und Gott machte es, damit erfüllet würde, was Valentin gesagt hatte: wer sich muthig durch den Pfannkuchenberg fresse, der werde einmal König werden.

Denn Klas war kaum einige Stunden in den Gemächern des Schlosses, so fühlte er sich in seinem ganzen Herzen wie umgekehrt, er fühlte, daß er ein Weib gesehen hatte, von welcher seine Augen nicht wanken konnten. Die Prinzessin war auch gewiß die Allerschönste, die zu ihrer Zeit auf der Welt lebte. Er fühlte das mit Wohlgefallen, daß ihm das Herz zitterte; aber er bedachte zugleich, daß er der Sohn eines Dorfschulzen und sie eine Königstochter war, und schlug sich bei diesem Gedanken vor die Stirn und rief: Klas, Klas, wo willst du hin in deiner Thorheit? hier hilft dir dein Grad dör zu nichts. Denn Klas war bei allen seinen großen Thaten immer seiner Jugend eingedenk geblieben und war immer herzlich demüthig und klein vor Gott, dem er allein alles beimaaß; von seiner eigenen Ritterlichkeit und Schönheit, die wohl die Herzen aller Weiber der Welt anlocken konnte, wußte er gar nichts. So brachte er, von den Reitzen der schönen Prinzessin geblendet und verwundet, eine schlaflose kranke Nacht zu, und weil sein Wunsch ihm eine Unmöglichkeit däuchte, so beschloß er mit dem frühen Morgen nebst seinen Gesellen wieder in die Schiffe zu gehen und seinen Kummer dem wilden Element des Wassers zur Heilung zu übergeben, wenn Liebesflammen nur durch Wasser gekühlt und gelöscht werden könnten.

Und als es kaum dämmerte und das Licht noch furchtsam durch die Vorhänge in die Zimmer guckte, rief er seine Männer auf, und es ward ein Laufen und Wimmeln im Schloßhofe, daß die Königin und die Prinzessin darob erwachten und mit Staunen und Schrecken vernahmen, daß Klas wieder auf seine Schiffe wolle. Und die alte Königin bedachte sich nicht lange, sie that, was sie thun mußte, kleidete sich eilends an, warf ihren königlichen Mantel um, und trat zu Klas ins Zimmer, zu welchem sie folgende Worte sprach:

Lieber Herr Klas, was ist das für eine Botschaft, die wir mit Schrecken hören? So willst du fort, und gönnst uns nicht einmal das bischen traurige Zeit, daß wir dir wenigstens mit Worten danken können? So willst du uns verlassen? du willst das heilige Kreuz, du willst das Christenthum, du willst die Christen hier wieder verlassen, und sie wieder auf des Schwerdtes Spitze stellen? das Fürstenkind willst du wieder verlassen, das du eben aus dem Feuer und Eisen der Heiden gerissen hast? Zwar liegt der Heidenkönig erschlagen und sein Heer speiset die Raben; aber viele Heiden wohnen noch um uns und über uns, und er hat der reisigen Söhne und Neffen genug, welche kommen werden und seinen Tod rächen, wann du weg bist. Unser König aber ist auch todt, unsre besten Männer liegen auch erschlagen, und wir haben keinen Sohn, keinen Bruder, keinen Bräutigam, die das Scepter und das Schwerdt führen können in der Gefahr. Hat der Wind Gottes dich denn nur hieher gewehet, um uns desto herrlicher und größer zu verderben? hat er dich nicht hergewehet, daß du diesen Christen ein Kriegsfürst und König gegen die Heiden, mir ein geliebter Sohn und der Prinzessin, meiner Tochter ein würdiger Gemal seyn sollst? Ja das hat er gewollt, und das will ich, darum bin ich so früh aufgestanden, darum komme ich, darum bitte ich.

Die Königin sprach diese Worte so gewaltig, daß sie alle Worte todt machten, die Klas hätte antworten können. Er konnte nicht gehen; er konnte nicht sprechen, er konnte sich nur verneigen und erröthen und schweigen. Und dies that er auf seine Art, welche der Königin sehr gefiel; denn sie verstand, er werde mit den Schiffen nicht entfliehen, und also fuhr sie fort in ihrer Rede:

Du hast es beantwortet, wie ein Ritter und Mann antworten soll, wann eine Frau solches zu ihm spricht. Und nun will ich künftig auch nichts mehr hören von dir, daß du in einer Bauerhütte und wir in Königsschlössern gebohren sind. Siehe Gott hat an dir große Zeichen gewiesen, daß er auch die Kleinsten groß machen kann, so wie er, wenn er will, Leben und Kronen gebohrner Könige in den Staub legt; er hat dir solche Demuth und Tugend und Gewalt des Muthes und Glückes gegeben, daß du ein Mann heißest unter den besten Männern: dich hat die Ritterlichkeit Königen gleich gemacht und dein Grad dör! ist stärker als ein Heer. Und nun komm!

Und sie nahm ihn an der Hand, und er war ihr still und gehorsam wie ein kleines Kind und ließ sich von ihr führen, wohin sie wollte.