Und als die Sonne des Morgens aufging, wo Klas als ein armer Sünder sterben sollte, ward er aus dem Stadtthore hinausgeführt, und trug seine schweren Ketten so leicht, als wären es Strohhalme gewesen, und schritt wohlgemuth und festen Angesichts daher; denn er hatte recht andächtig gebetet und tröstete sich Gottes, da er sich keiner schweren und freiwilligen Schuld bewußt war. Und der Jüngling däuchte den Leuten schöner als je und aller Augen flossen in Thränen über daß ein so schönes junges Blut sterben sollte; besonders aber jammerten die Weiber und Jungfrauen, deren Herz von Natur mitleidiger ist, und manche dachte wohl: könntest du ihn vom Galgen lösen, du nähmest ihn gleich zum Mann und schämtest dich nicht. Als aber Klas unter den Galgen geführt ward und die Priester mit dem Kreuze in der Hand um ihn her standen und zu ihm sprachen und geistliche Lieder sangen und die Henker die Leiter und Stricke zurecht machten, da ward das Weinen ein lautes Schluchzen und Heulen und Schreien rings um das Hochgericht. Unter andern war auch eine schöne junge Frau da, welche sich durch den Haufen gedrängt hatte und dem Klas grade gegenüber stand, so daß sie ihm ins Gesicht schauen konnte. Diese rief so laut, daß alle Leute es hörten und er es auch hören konnte: O thäte dieser doch nun den Schergen und Henkern, wie Simson den Philistern und zerbräche seine Bande! Und Klas fiel die Geschichte von Simson aus der Schule wieder ein, und er dachte: versuchen kannst du es wohl, ob es Gottes Wille wäre. Und er raffte seine Glieder zusammen und spannte seine Sehnen und rief voll Zorns Grad dör! und die eisernen Ketten sprangen, als wären es Rohrseile gewesen, und er stürmte durch die Henker und Schergen und durch alles Volk hin und warf links und rechts alles mit den mächtigen Fäusten nieder. Das Volk aber jauchzte und schrie: Grad dör, Klas! und Klas lief wie ein Hirsch, der mit seinen Beinen spielt, über das Feld hin in den Wald, und die ihm zu Fuß und zu Pferde nachjagten, konnten ihn nicht einholen. Die Henker aber, ergrimmt, daß sie so ihre Beute verloren hatten, griffen die schöne junge Frau, die den simsonischen Wunsch ausgesprochen hatte, und meinten, sie könnten sie nun hängen. Aber das Volk schrie laut dagegen und die Priester schalten sie, da die Frau es ja nur aus menschlicher Barmherzigkeit mit einem armen Sünder gesprochen habe, und der Graf, der auf das Getose und Getümmel wegen Klasens Flucht herbeigekommen war, befahl, daß sie die Frau wieder frei ließen; und so geschah es. Es war aber ein gewaltiges Jauchzen und Frohlocken unter allem Volke, daß Klas so entronnen war; denn daß sie ihn wieder fangen würden, glaubten sie nicht. Auch fingen ihn nicht wieder, die ihm nachgejagt waren; ich glaube auch nicht, daß sie besonders große Lust gehabt hatten, sich an ihn zu machen. Denn sie hatten gehört, wie er jenen vier Jägern gethan hatte, und sie hatten eben gesehen, was seine Knochen und Sehnen vermogten und wie Schergen und Henker und alles Volk, das ihm im Wege stand, unter seinen Fäusten hingestürzt waren. Auch in Dümmelshusen hörten sie bald, was unter dem Galgen geschehen war, und freueten sich; und die Altern und Geschwister richteten sich wieder auf aus dem Elende und der Schmach, und Peter faltete die Hände und betete: Gott du bist gerecht, Klas ist kein Mörder, er hat sich für mich und sich nur ungerechter Gewalt erwehrt.
Als Klas in den Wald gekommen war, wo keine offene Straßen waren, lief er nicht mehr sondern ging sachte und hörte seine Jäger und Verfolger ruhig um sich her tosen. Er hatte sich schon einen tüchtigen knotigen Ast von einer schmeidigen Eiche gebrochen und zurecht gemacht, und dachte: Laß sie nur kommen, zehen und zwanzig von ihnen thun mir's nicht, wenn Gott nicht wider mich ist. Sie lärmten und toseten und getümmelten aber gewaltig mit Hunden und Pferden durch den Wald, aber auf ihn stieß keiner; und er ging seines Weges fort, bis es Nacht ward. Da nahm er Herberge bei einem Köhler. So ging er noch einen Tag fort, da gelangte er auf das Blachfeld, das zwischen der Weser und Elbe hinstreicht bis ans Meer, und er dachte: hier mußt du dich mehr in Acht nehmen, weil sie in hellen Haufen hinter dich her setzen können. Daher schlug er abgelegene Wege ein durch Wälder und Sümpfe und kehrte meistens ein bei einsamen Leuten, bei Hirten, Köhlern und Müllern im Walde. Und als der fünfte Tag anbrach, da sah er zum ersten Mal in seinem Leben das Meer und erstaunte ob der Gewalt und Pracht und fiel auf sein Angesicht und betete und dankte Gott, daß er ihm bis dahin geholfen hatte. Das wußte er aber noch nicht, was das Meer aus ihm machen sollte.
Klas war an der Elbe angelangt in der Gegend, wo sie bald ins Meer fällt und sehr breit ist, und ging längs ihrem Strande hin auf Schiffe zu, die er in der Ferne liegen sah. Es war eben die Zeit der Ebbe und der Strand gar flach. Er wußte aber nichts von Ebbe und Fluth; denn was wissen die Leute, die in Berg und Wald wohnen, vom Meer? Und er war einige Stunden am Strome so in Gedanken fortgeschlendert und hatte nicht gemerkt, daß das Wasser zunahm. Es fing aber die Fluth wieder an und wuchs bald mit so jählicher Gewalt, daß er in einem Augenblick rings mit Wasser umflossen war, das ihm bis über den Gürtel stieg. Da lief er was er konnte den Schiffen zu, die nun nicht mehr fern waren, und stützte sich an einer langen Stange, die an ihm hinschwamm und die er ergriff. Aber das nächste Schiff, wozu er gelangte, lag auf der Tiefe, wohl zwanzig Schritt vom Lande. Und Klas nahm seine Stange und schwang sich daran empor und rief Grad dör! und schnellte sich fort und sprang plötzlich mitten auf das Schiff hinab. Die Leute aber, die unten im Raum waren, erschracken über den Knall, den seine Füße gaben, und kamen auf das Verdeck herauf; denn es hatte geknallt, als hätte das Gewitter eingeschlagen. Und sie erstaunten, als sie den großen und stattlichen Mann mit der Stange darauf stehen sahen, und fragten ihn, ob er komme, als Freund oder Feind als Heide oder Christ. Als er ihnen bejahet hatte, daß er beides als Freund und als Christ komme, so schüttelten sie ihm alle nach einander die Hand, und bald brachte ihm einer eine große Schale voll Meth und hieß ihn trinken; und er trank, und jeder von ihnen trank der Reihe nach auch. Und das sollte ein Zeichen des Friedens und der Brüderschaft seyn.
Es waren wohl fünfzig Männer auf dem Schiffe, starke großgliedrige Gesellen, von wildem und rauhem Ansehen. Klas hatte in seinem Lande dergleichen nie gesehen und hätte sie wohl für Räuber und Unchristen gehalten, wenn an dem Maste nicht das Zeichen des Kreuzes eingehauen und die Flagge nicht wie ein Kreuz ausgeschnitten gewesen wäre. Und sie waren allerdings Christen, aber Räuber waren sie auch. Das sagten sie ihm bald unverholen, nachdem er ihnen einen Theil seiner Geschichte erzählt hatte und durch welche simsonische Kühnheit er dem Galgen entlaufen war. Sie hatten ihn anfangs barsch angesehen, als ob sie ihm nicht traueten; aber die wilden Gesichter wurden immer freundlicher, je weiter er in seiner Erzählung vorschritt. Und als er geendigt hatte, trat derjenige unter ihnen zu ihm, der als der vornehmste aussah und in der That ihr Hauptmann war, schüttelte ihm die Hand, umhalste ihn und sprach: Willkommen Klas! solche Leute können wir brauchen, du sollst hinfort unser Stallbruder seyn auf Leben und Tod und Ehre und Beute mit uns theilen. Und der Hauptmann erzählte ihm, sie seyen friesische Männer von den Inseln und Küsten und leben meist vom Raube, den die See gebe und das Heidenland, aber Christen lassen sie unangetastet. Als Klas das Letzte hörte, schlug er getrost ein und ließ es sich gefallen mit ihnen zu ziehen, wiewohl sie ihm etwas greuliche Leute zu seyn däuchten.
Sie lagen noch wohl zehen Tage da vor Anker am Ufer des Stroms, weil der Wind aus Westen wehete, und Klas lernte sehr bald, wie man das Schiffsgeräth und Ruder und Segel handhaben muß, denn er war sehr gewandt. Er ward nun auch gewaffnet nach Seeräuberart; sie nannten sich aber nicht Seeräuber sondern Meerfahrer oder Wikinger. Bald stand Klas in voller Wagenrüstung wie ein Wikinger da. Er trug aber, wann er in voller Rüstung war, einen Kettenpanzer, einen eisernen Helm und einen runden Schild mit Buckeln, und führte in der Rechten eine scharfe Streitaxt und an der linken Seite ein kurzes breites Schwerdt; Speere aber zum Werfen und Stangen zum Schlagen und Stoßen lagen im Schiffe genug, die jeder auf seine Weise gebrauchen mogte, wann der Feind angriff. Auch hatte es mächtige Stahlbogen und Pfeile in Menge, und damit wußte Klas wohl umzugehen, weil er die letzten Jahre mit seinem Vater oft auf die Jagd ausgegangen war. Er spannte aber den stärksten Bogen so leicht, daß seine Gesellen erstaunten; denn selbst der Hauptmann, der unter ihnen für den stärksten galt, konnte ihn nur zuweilen aufziehen. Als er ihnen vollends den Sprung noch einmal machte, den er mit der Stange von dem Ufer auf das Schiff gethan hatte, da jauchzeten und frohlockten sie und meinten, dieser Kämpfer solle manchem Heiden noch wohl den Dampf* thun. ————————————— * Dampf: Fall, Sturz von dem Worte Dämpfen Niederschlagen. Schwed. dämpa: niederschlagen, dimpa: niederfallen. —————————————
Den zehnten Tag hatte der Sturm aus Westen abgewehet, und es blies ein frischer Südost auf, und sie hisseten die Segel und ließen das Schiff auf die blaue Tiefe laufen gegen Westen und steuerten gegen die Inseln der Heiden hin. Und es gab manchen heißen Kampf zur See und an den Küsten und manches Heidenschiff ward erstiegen und die Heiden wurden wie tolle Hunde erschlagen oder gefangen, und sie kamen mit reichem Gold und Silber heim und verkauften den Raub und die Gefangenen. Und Klas hatte sich schon einen Namen gemacht auf der See; denn wenn der Streit begann, rief er Grad dör! mit so gewaltiger Stimme, daß den Feinden sogleich der Muth entfiel und den Freunden wuchs und sie fast immer leichten Sieg gewannen. Und der Hauptmann, obgleich er dem Klas seine Stärke und seinen Kriegsruhm fast beneidete, hatte sich doch die Bitte der meisten seiner Leute gefallen lassen, daß sie auf dem Spiegel des Schiffes einen hohen Mann mit einer langen Stange machten, aus dessen Munde die goldenen Buchstaben Grad dör weheten. Und Graddör ward das berühmteste Schiff in der Nordsee und Ostsee und weithin in dem Nordwesten bei den Inseln der Heiden. Und es kamen die besten Kämpfer verließen ihre Schiffe und traten zu dem Hauptmann des Graddör über; und sechs Monate nach dem Tage wo Klas darauf gesprungen war, hatte er statt der fünfzig Kämpfer wohl über zweihundert, und wuchs an Ehre und Furcht und Reichthum, daß es nicht zu beschreiben ist.
Man kann nicht sagen, daß dieses wilde und unstäte Leben dem Klas sonderlich gefiel, aber er ließ es sich gefallen. Das frische Element des Meers und die kühnen Geister, die aus ihm brausen und wehen, behagten seiner Jugend wohl, und frische muthige Thaten erquickten ihm Seele und Leib, und Heiden bekämpfen und dämpfen däuchte ihm eben keine Sünde, zumal da sie als arge und blutdurstige Räuber die Inseln und Küsten der Christen überfielen und ausplünderten und die Menschen als Sklaven wegführten und in das fernste Elend verkauften, und da sie auch alle christliche Schiffe anfielen und verdarben, deren sie mächtig werden konnten. Er schien gegen solche in einem guten Streite zu streiten. Auch hat es nicht gar lange gewährt, so ist Klas Hauptmann des Schiffes Graddör geworden.
Sie waren im zweiten Jahr seiner Seefahrt aus Westen hinaufgesegelt hoch gegen Norden und landeten den vierzigsten Tag ihrer Fahrt nach manchem harten Strauß, den sie mit Feinden und Stürmen bestanden hatten, auf einer kleinen Heideninsel, die von einigen Hundert Menschen bewohnt war, welche in ärmlichen Hütten wohnten und, wie es schien, von den Seevögeln und Fischen lebten. Als sie ans Land stiegen, kamen diese ihnen friedlich und freundlich entgegen, trugen gebratene Fische in Schalen und hielten die Methkanne hin; Waffen aber trug kein einziger von ihnen. Da ließ der Hauptmann aufblasen zum Angriffe, und ermahnte die Kämpfer mit schallendem Gelächter, daß sie die Männer niederhauen und mit den Weibern thun mögten, wie sie gelüstete. Und sie rüsteten sich, jene Armen aber entflohen mit jammervollem Geheul zu ihren Hütten. Als nun die Männer dem Hauptmann gehorsam anlaufen wollten, da sprang Klas plötzlich vor, zückte seine Axt und rief Halt! Zugleich entblößte er sein Haupt vor dem Hauptmann und bat, ja flehete ihm, daß er so schwere Schuld nicht auf sich laden wolle und so heilloses und unchristliches Werk nicht üben lasse gegen wehrlose Männer und Weiber; denn wenn sie auch Heiden seyen und von dem lebendigen Gott und von dem Heilande und der Erlösung nichts wissen, so seyen die doch viel ärgere Heiden, die solches thun könnten. Der Hauptmann aber hörte ihn nicht an sondern ergrimmte und befahl den andern, daß sie Klas als einen Aufrührer fingen und bänden. Klas aber stämmte sich auf seine Streitaxt, sah zornig um sich und sprach: wer wagt's?—und sie standen und keiner wagte es. Da befahl der Hauptmann zum zweiten Male, und es entstand Gemurmel unter dem Volke, und einige schritten vor, als wollten sie an Klas Hände legen. Klas aber ward nun von seinem Zorn und von seiner Macht gefaßt und schrie Grad dör! und sprang mit seiner gezückten Axt auf den Hauptmann, der vergebens seine Wehr aufhob, und spaltete ihm den Kopf mitten durch, und rief: Der ist bezahlt und hat seinen verdienten Lohn; wer ein Christ ist, her zu mir! Und über die Hälfte der Männer traten zu ihm über, die andern aber ergrimmten um den erschlagenen Hauptmann und griffen zu den Waffen, als wollten sie seinen Tod rächen. Klas aber schrie abermal Grad dör! und sie standen wie vom Blitz in dem Boden festgeschlagen. Dann vermahnte er sie und die andern zum Frieden und belehrte sie, wie der Hauptmann Unmenschliches und Unchristliches befohlen habe, wie Christen geduldig, sanftmüthig und barmherzig seyn müssen und ihre Hände nicht mit unschuldigem Blut beflecken dürfen, und wenn es auch Heidenblut sey; denn Gott sey auch der Heiden Vater und Schöpfer. Und es liefen den eisernen Männern, als sie die Worte hörten, Thränen über die rauhen Wangen und sie sprachen: Der Hauptmann ist durch Gott gefallen und durch dich, und riefen alle einstimmig: Klas du sollst unser Hauptmann seyn! Und er ließ es sich gefallen und ward nun Hauptmann über zweihundert Männer.
Und es erschien bald, wie sie recht gethan hatten. Klas hatte das wilde und rohe Wesen, das bisher unter ihnen gegolten hatte, wohl nie geliebt noch selbst mitgemacht, aber er hatte es doch an den andern dulden müssen, wiewohl solche Gräuel von ihnen nie begangen waren, als der Hauptmann jetzt gegen die armen waffenlosen Menschen auf der Heideninsel befehlen wollte. Als er nun selbst Hauptmann geworden, führte er eine recht strenge christliche Zucht ein und stieß ohne Erbarmen alles von seinem Schiffe aus, was sich ihr nicht fügen wollte. Das war aber sein erstes Gesetz, daß ohne Gnade an dem Mastbaum baumeln mußte, wer einen unbewehrten Mann mit dem Eisen verletzte oder ein Weib vergewaltigte. Er fuhr aber noch immer gegen die Heiden, säuberte das Meer von ihren Raubschiffen und erlösete viele Christen aus der Gefangenschaft; auch hat er an vielen Orten, die sonst heidnisch waren, das heilige Kreuz als das Heil der Welt gepflanzt und durch seine Gerechtigkeit und Milde viele Heiden zum Christentum geführt. Und sein Name ist so gewachsen, daß die tapfersten Männer sich zu ihm gesellten und unter ihm auszogen und daß er im zweiten Jahre seiner Hauptmannschaft auf zwanzig Schiffen schon fünftausend Kämpfer hatte. Denn seine Redlichkeit und Gottesfurcht war groß und seine Tapferkeit gefürchtet und seine Stärke unüberwindlich; denn gegen den Hieb seiner Axt oder den Stoß seiner Stange hatte kein Schmied Schild und Panzer schmieden können.
Als nun das vierte Jahr seiner Seefahrt und das zweite Jahr seiner Hauptmannschaft war, hatte er eine Fahrt nach Island gemacht, war aber durch einen gewaltigen Nordwind zurückgetrieben und ward gegen die Ostküste einer großen Halbinsel verschlagen, welche Jütland heißet. Diese Halbinsel war zu jener Zeit halb heidnisch und halb christlich, und es hatte sich vor wenigen Monaten begeben, daß der Heidenkönig den Christenkönig geschlagen und erschlagen und alles Land überfahren hatte. Auch hatte er bald das Schloß des christlichen Königs und dessen Frau und Tochter, die darin waren, gewonnen. Die gefangene Königstochter war aber die schönste Prinzessin in allen Landen weit und breit. Diese wollte der Heidenkönig zwingen, daß sie sein Gemal werden und ihm das Königreich zubringen sollte, als habe er es mit gerechter Hand erworben. Und er dachte in seinem stolzen Sinn: sie wird thun und seyn wie andere Weiber und sich freuen, daß der Vornehmste bei ihr schlafen will und der König im Lande ihr Mann heißt. Aber sie that und war ganz anders, und weigerte sich standhaft, und da er nicht abließ und zuletzt hochmüthig dräuete, da schalt sie ihn einen wilden Wütherich und einen heidnischen Bluthund. Und er ergrimmte darüber so sehr, daß alle seine heißen Flammen plötzlich erkälteten, und er schwur, sie solle für die Schmach eines greulichen und quaalvollen Todes sterben. Und er ließ einen großen Scheiterhaufen aufthürmen auf offenem Felde unweit dem Schlosse, worin er die Prinzessin gefangen hatte; darauf sollte sie gleich einer gemeinen Missethäterin verbrannt werden.