Was haben Sie? Sind Sie Ihres Lehramtes müde, ehe Sie es angetreten?

Nein, doch überlegte ich, daß die Iliade eine gewisse Kenntnis der griechischen Götterlehre voraussetzt –

Die ich nicht habe, fiel ich ihm lachend ins Wort. Wollen Sie mir vor Beginn unserer Lektüre einen kleinen Vortrag halten?

Und er sprach. Gründlich, ernst, langweilig. Ich gab meinem Blick den Ausdruck der gespanntesten Aufmerksamkeit. Hie und da warf ich eine Frage ein, stellte sie absichtlich kindlich, ja kindisch. Er gab mir bereitwilligst Auskunft. Erst erstaunt über meine Naivetät, dann lächelnd. Schließlich mit der frohen Heiterkeit, die jeder Mann beim Geltendmachen seiner Ueberlegenheit empfindet. Und ich sah ihm in die Augen – – – fortwährend ... mit weichem, träumend lächelndem Blick ... o, ich habe ihn nicht umsonst vor dem Spiegel geprüft ... er sprach stockender, verwirrt, schwieg plötzlich.

Eine Minute lang saßen wir stumm einander gegenüber. Ich weltvergessen, traumumfangen – innerlich jede Geberde berechnend. Verlegen, errötend fuhr ich empor.

Sind – Sie nicht wohl?

Doch – doch.

Er stammelt und beugt sein flammendes Gesicht auf den blaugrünen Homer. Ich streife mit dem Zeigefinger auf der Tischplatte hin und her und sehe zu Boden.

Ich mache mir Vorwürfe. Ich habe Sie zu lange reden lassen. Mein Egoismus. Aber ich will mich bessern. Heute wird nichts mehr gelesen. Schauen wir uns den Wald an. Er ist so schön. Und daß Sie nicht ganz aus Ihrer Lehrerrolle fallen – was ist das für ein Baum?

Ein Ahorn.