O, Papa hat mich gefragt. Und da habe ich gesagt – sie sollen ihn hier begraben. Nicht auf dem großen öden Friedhof mit den vielen andern. Er hat die Berge so lieb gehabt. Es ist auch recht selbstsüchtig daß ich darüber weine, aber –
Sie macht in schmerzlichem Heroismus einen kleinen harten Ballen aus ihrem Taschentuch und steht auf. Sie ist plötzlich wieder sanft und schüchtern.
Ich – möchte – zu Mama.
Wir gehen zur Villa hinauf, und sie sieht sich um, sieht sich fortwährend um mit den schmerzensgroßen Kinderaugen – c'est drôle!
Einförmig gehen die Tage weiter. Fritz ist höflich, eiskalt höflich gegen mich. Ich bin gleichmäßig ruhig mit glatter Stirn und klaren Augen. Ich lasse ihn völlig gewähren. In ein paar Monaten habe ich ihn so gewiß zurückerobert, als ich noch jung und schön bin. Ich bin ganz froh, daß ich etwas zu thun haben werde, und lege mir jetzt schon die Karten zurecht.
Fritz war öfters wieder fort. Aber keine Gebirgstouren. In München. Vor drei Tagen kündigte er mir den Verkauf der Villa an:
Ich kann nicht mehr hier bleiben. Das Grab da unten ist mir ein ewiger Vorwurf ...
Allein auf meinem Zimmer klatsche ich vor Freude in die Hände. Die Villa verkauft! Mein sehnlichster Wunsch erfüllt, nicht mehr in diese Einöde zu müssen.
Die Möbel sind teilweise schon fortgeschafft. In den Zimmern ist's jetzt in Wahrheit – bric-à-brac. Die Vorhänge sind herabgenommen. Ungehindert strömt das Sonnenlicht herein. Ich kann das große vergoldete Kreuz auf dem Grab dort unten sehen. Es ist ein Geschenk von Fritz. Er hat sich das nicht nehmen lassen. Und der Rosenstock hat eine Menge Blüten. Ich habe den zurückbleibenden Gärtner beauftragt, ihn zu pflegen. Warum sollt' ich nicht? Dafür bin ich gerade gutmütig genug.
Auf dem Boden liegt ein Haufen zusammengekehrter Papierschnitzel, Spitzen, Schleifen, Haarnadeln, Stecknadeln, Seidenfäden, eine Puderschachtel mit verschüttetem Inhalt – es sieht häßlich aus im vollen Sonnenlicht.