Das kann ja der Diener.
Aber sie schüttelte das Köpfchen und flog davon. Ich schritt unterdessen zu dem frischen, ungeschminkten Grabhügel hinunter. Das Kreuz wird erst in einigen Tagen eintreffen. Die Kleine kam wieder. Mit einem unförmlichen weidengeflochtenen Marktkorb am Arm.
Den haben Sie von München hergeschleppt?
Ja.
Vorsichtig hebt sie einen großen, schönen Rosenstock heraus. Gloire de Dijon. Dann wühlt sie mit ihren Händen die Erde auf.
Mais, ma petite, Sie machen sich schmutzig.
Sie sieht mich erstaunt an: Was thut das?
Ich begebe mich jedes weiteren Einwandes. Und sie drückt die Erde wieder fest; schöpft in ein Blechgefäß Wasser, um die Pflanze zu begießen; wäscht am Strand ihre Hände rein. Nun steht sie am Grab. Die scharfe, heiße Nachmittagssonne huscht über ihr schwarzes Cachemirekleidchen, dessen Einfachheit von der Eile der Herstellung zeugt. Es sieht trostlos dürftig aus im Gegensatz zu den funkelnden Perlenagréments meiner schweren Atlasrobe. Plötzlich fällt die Kleine mit einem tiefen Schluchzen auf das Grab hin. Erschrocken will ich ihr emporhelfen. Aber sie krallt sich förmlich in die Erde. Ich muß sie gewähren lassen. Endlich richtet sie sich halb empor und schluchzt wie entschuldigend:
Ich habe ihn so lieb gehabt, so lieb! Und nun soll ich nicht einmal sein Grab in der Nähe haben, nicht manchmal zu ihm gehen und ihm Blumen bringen können.
Aber liebes Fräulein, Ihr Herr Papa hat meinem Mann auf seine Anfrage doch geantwortet, er sei dafür, den Grafen hier zu beerdigen. Hätte da nicht ein Wort von Ihnen ...