Katya (schweigt).
Stoneberg: Wenn Sie meiner Neugierde die Erklärung verweigern, so gewähren Sie dieselbe meiner Teilnahme. Ich helfe gerne – Ihnen. Was haben Sie?
Katya (in Thränen ausbrechend, wirft sich vornüber auf die Tischplatte): Hab' ich gespielt schlecht.
Stoneberg: Schlecht gespielt?! Heute? Sie haben mit einem Feuer, mit einer Leidenschaft gespielt, das Publikum –
Katya: Feuer, Leidenschaft, Publikum! Adagio habe ich gespielt schlecht. Und Narren da unten haben geschrieen Bravo. O, hätten ausgezischt mich, mir wäre nicht so unglücklich. Aber nehmen Lob und haben nicht verdient. Ist mir in Herzen, als hätte ich beschimpft Mutter Gottes.
Stoneberg: Ach, lassen Sie doch die Mutter Gottes aus dem Spiel. Sie thun dem Publikum Unrecht und sich. Haben Sie Ihre Ansicht vielleicht meinen Zeilen entnommen? Sie haben das Adagio ausgezeichnet gespielt. Nur meine hohe Meinung von Ihrer Begabung veranlaßt mich zu dem Glauben, daß Sie's noch besser können.
Katya: Sie sind Narr wie Andere. Wissen nicht, daß man spielt Beethoven schlecht, wenn man nicht spielt Beethoven vollendet.
Stoneberg: Demzufolge müßten freilich sämtliche moderne Virtuosen das Beethovenspielen aufgeben.
Katya: Ich nicht gehöre zu Ihre moderne Virtuose. Hexerei von große Technik haben keine Wert für mich, seit ich kann Hexerei. Weiß ich sehr gut, daß ich kann mehr als die Andere. Und hab' ich gesehen heute, daß ich kann gar nichts.
Stoneberg: Auf die Gefahr hin, mich wieder von Ihnen den – Narren beigezählt zu hören, erlaube ich mir nochmal die Bemerkung, daß Sie sich Unrecht thun. Sie haben den ersten und letzten Satz des Beethovenkonzertes gespielt wie – wie eben nur Sie es können. Wenn das Adagio Sie nicht ganz befriedigen konnte, so liegt die Schuld an dem Ton Ihres Instruments. Er ist groß, kräftig, aber ohne jene höchste Weichheit, jene innere Verklärung, wie sie einer – Amati innewohnt.