Einem Hindenburg gegenüber verstummten auch deutschfeindliche Blätter des Auslandes mit ihren Anklagen, er wird auch in der amerikanischen Presse als „the man of the hour“ gefeiert ([Abb. 30], [32], [33]). Unter dem Eindrucke der großen deutschen Erfolge können auch die Zeichner, die sonst Deutschland nicht gerade freundlich gesinnt sind, nicht anders; sie bringen zwischendurch germanophile Blätter. Auf [Abb. 34] ruft der englische Löwe Polen an: „Nicht die Preußen, die Reußen will ich sprechen“. Mackensen: „Das tut mir leid, die sind gerade abgezogen.“
[Abb. 34.] Karikatur auf den russischen Rückzug.
England: „Not Prussia, Russia!“
v. Mackensen: „Russia has just stepped out!“
(Robert Carter in „Evening Sun“, New York.)
Einen Hindenburg macht eben niemand nach, obgleich eine Anzeige im „Breslauer Generalanzeiger“ lautet: „Hindenburg sowie sämtliche deutsche Heerführer liefert zu günstigsten Bedingungen Verlag Carl Tinius, Leipzig-Neustadt. Vertreter an allen Plätzen gesucht. Muster franko bei vorheriger Einsendung von einer Mark.“ — Man muß sich wirklich wundern, daß von der französischen, englischen und russischen Regierung nicht schon Bestellungen eingelaufen sind.
Was Hindenburg unter den Lebenden, ist der 42-Zentimeter-Mörser unter den leblosen Dingen. Oder soll man hier nicht auch lieber von einem Lebewesen sprechen? Das Volk hat diese volkstümlichste Waffe rasch personifiziert: männlich als „Großen Brummer“, weiblich als „Fleißige Berta“ oder auch „Dicke Berta“ zu Ehren der Besitzerin der Kruppwerke, die hier das Attribut der Dicke unverschuldet mit in den Kauf nehmen muß. Auch um die „Dicke Berta“ hat sich ein Sagenkreis gesponnen, erstens wegen ihrer rasch erworbenen Popularität, zweitens weil niemand etwas Näheres über sie erfuhr. Ging man doch so weit, ihre Existenz überhaupt leugnen zu wollen! Es ist eine der herrlichsten Erscheinungen in diesem Kriege, daß die wenigen Menschen, die um den 42-Zentimeter-Mörser wußten, das Geheimnis so wunderbar gehütet haben! Als nach Kriegsausbruch bekannt wurde, die Deutschen besäßen ein Riesengeschütz, aus dem wenige Schüsse genügten, die stärkste Festung zu Fall zu bringen (Lüttich hatte es ja gleich bewiesen), da ging ein Staunen durch die ganze Welt, gemischt mit geheimem Grauen. Der Mörser 42 aber wurde, wie später auch U 9, das Symbol deutscher Tüchtigkeit, das Wahrzeichen der militärischen Energie Deutschlands. Die Überlegenheit dieses Riesenmörsers erkannten auch die Neutralen restlos an. Es bildete sich Legende über Legende über den großen Brummer; die Hauptsache war, daß das Geschütz, wie ein Militärschriftsteller bemerkte, einige Armeen wert ist. Die Bezeichnung „Fleißige Berta“ sollte wohl den Gegensatz zur „Faulen Grete“ bringen, ein Name, der zuerst für Geschütze auftauchte, mit denen die Hohenzollernfürsten die aufsässigen Quitzows bekämpften.
Abb. 35. Joh. Braakensiek: Der Zauberer Mars.
(De Amsterdammer, Amsterdam.)