Beginn des Unterseebootkrieges.

(World, New York.)

Man hat in Deutschland im allgemeinen doch wohl nicht begriffen, wie erregt und kritisch nach dem Untergange der „Lusitania“ die Stimmung in Amerika gegen uns war. Die Karikaturen zeigen es zur Genüge, und wir können den Männern, deren Bemühungen es gelungen ist, den Frieden mit einem Lande zu erhalten, in dem so viel stammverwandte Menschen wohnen, gar nicht dankbar genug sein. Die hier angeführten Beispiele sind nur ein kleiner Teil der ungezählten „Lusitania“-Zeichnungen der Amerikaner. — Natürlich hat es auch in der französischen Presse nicht an beißenden Satiren gefehlt. J. J. Roussau brachte ein Blatt: „Dieu vous sauve“; der Personendampfer ist eben versenkt, und Frauen und Kinder treiben hilflos auf den Wellen, während der deutsche Unterseeboots-Kommandant lachend davonfährt. Diese Zeichnung trägt die Überschrift: „Les fils chéris de Bénoit XV“, ist also gleichzeitig ein Spottblatt gegen den Papst, dessen unparteiische Haltung ihm besonders in Frankreich und Italien wütenden Haß einbrachte ([Abb. 61]). Grandjouan zeichnete für „Le Rire Rouge“ eine ganzseitige Darstellung, die Wilson am Meeresstrande zeigt, wo die Leichname einer Mutter und zweier Kinder angespült werden, die noch den Rettungsring der „Lusitania“ tragen, während im Hintergrunde Haifische auf das leckere Mahl warten: „Décidément, non, je ne peux être du parti des requins“ (Wahrhaftig, nein, mit diesen Menschenfressern will ich nichts mehr zu tun haben!) ([Abb. 63]). — Sehr deutschfeindlich sind auch die Darstellungen, die die holländische Presse über den „Lusitania“-Untergang brachte. Johan Braakensiek lithographierte für den „Amsterdammer“ ein Blatt „De dolle stier is los“. Der tolle Stier ist natürlich Deutschland, auf den die ganze Welt Jagd machen müßte. Von P. de Jong erschien im „Nieuwe Amsterdammer“ eine Darstellung des Untergangs der „Lusitania“, in der der Tod die Schornsteine und Segel kappt, während rechts der Teufel, der die Züge des deutschen Kaisers trägt, in die Worte ausbricht: „Goed zoo! Zoo’n cultuur is ook de mijne!“ (Gut so! Solche Kultur ist auch die meinige!). Eine Inschrift auf des Teufels Flügeln lautet in deutscher Übersetzung: „Sterbliche, laßt in meinem Dienste alle Menschlichkeit fahren!“ Am schlimmsten gibt sich, wie immer, Louis Raemaekers: Das Gewissen hält den „Mörder“ (Deutschland) in die Höhe „Alle, die Ihr nicht protestiert gegen die barbarischen Kriegsmethoden dieses Ungeheuers, seid seine Mitschuldigen!“ — Das charakteristischste Blatt aber brachte dieselbe Zeitschrift in einer farbigen Zeichnung von dem schon früher gewürdigten P. van der Hem. Von ihm rührt auch das großartige Blatt her, das wir [weiter hinten] abbilden, die Wirkung der Stickgase darstellend. Auf der hier wiedergegebenen Karikatur „De Lusitania“ sehen wir uns in das Bureau einer deutschen Zeitung versetzt (der Name an der Tür ist wohl ganz willkürlich gewählt). Die Schreibmaschine trägt die Aufschrift „Gott strafe England“, einer der Mitarbeiter fragt den Chefredakteur: „Ich habe hier noch einen Nekrolog über den Untergang der ‚Titanic‘, können wir den nicht jetzt wieder abdrucken?“ worauf der andere erwidert: „Tun Sie das, aber er muß dann als Jubel-Artikel umgearbeitet werden.“ ([Abb. 66].)

PAROLES PAPALES

[Abb. 61.] L. Métivet: Päpstliche Worte.

Französische Karikatur gegen den Papst wegen seiner Aussprüche, in denen er Deutschland Gerechtigkeit widerfahren ließ. „Interviewé en français, le Souverain Pontife, qui est italien, a répondu en allemand.“

(Le Rire Rouge, Paris.)

Abb. 62. Amerikanische Karikatur auf die Angriffe der Unterseeboote.