(L’Asino, Rom.)

Zu den widerlichsten Veröffentlichungen Frankreichs gehört das im Verlage der „Librairie de l’Estampe“ erschienene „La ‚Kultur‘ Germanique en 1914/15“. Blättert man diese vierzehn Zeichnungen durch, so fragt man sich unwillkürlich: Gibt es denn in ganz Frankreich keinen Menschen, der diese sinnlosen Roheiten öffentlich an den Pranger stellt? Auf dem Umschlag eine abgehackte, beringte Frauenhand und im Innern Darstellungen von Mord, Schändung, Vergewaltigung und den widerlichsten Grausamkeiten. Ein Volk, das solche Gemeinheiten duldet, hat wahrlich kein Recht, von andern als Barbaren zu sprechen. Wie weit sich aber in der französischen Presse die Schamlosigkeit offenbarte, dafür ist eine Karikatur von Maxa in dem so viel genannten „Matin“ vom 26. Januar ein charakteristisches Beispiel. Die „Frankfurter Zeitung“ bemerkt dazu treffend: „Der Pariser ‚Matin‘, der nicht auf den Krieg gewartet hat, um sich im Urteil der ganzen Welt einschließlich der damals noch etwas urteilsfähigeren öffentlichen Meinung Frankreichs selber als den Schandfleck der europäischen Presse zu dokumentieren, fürchtet jetzt offenbar, daß es irgendwo in der Welt noch jemand geben könnte, der an seinem völligen Verzicht auch auf den letzten Funken von journalistischem Anstandsgefühl zweifelt. In der Tat, nur als verzweifelte Bemühung der Schamlosigkeit, sich selbst zu übertreffen, ist das Bild zu verstehen, das der ‚Matin‘ in seiner Nummer vom 26. dieses Monats veröffentlicht, und das in den Zügen eines Affen den greisen Kaiser von Österreich erkennen lassen will. Die Infamie der bildlichen Darstellung aber ist noch gesteigert durch die Bezeichnung ‚L’Increvable‘, für die es weder im Deutschen, noch in der Sprache irgendeines Menschen, dem die Würde des Alters nicht als geeigneter Gegenstand scheußlichster Verhöhnung erscheint, eine dem gemeinen Gedanken entsprechende Übersetzung gibt. Der Geist, der aus diesem Schandprodukt spricht, ist im übrigen würdig des Blattes, das jetzt im Begriff ist, mit der Veranstaltung einer Volksausgabe (!) des französischen Greuelberichts ein Geschäftchen zu machen, zu dessen Hintertreibung sich der Pariser Rechtsgelehrte Charles Gide nicht umsonst gerade an den Senator Béranger in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Liga für die Bekämpfung der Pornographie gewandt hat.“ — Manchmal hat der „Matin“ auch Pech gehabt, wie mit seinem „Dardanellen-Thermometer.“ Als die Beschießung der Meerengen durch die Alliierten begann, erschien im „Matin“ ein „Thermometer“ von der Hand der Verbündeten gehalten. Unten lag Kum Kaleh, oben Konstantinopel, dazwischen die andern Orte der Dardanellen. Dieses Klischee sollte täglich gebracht werden und zeigen, wie die Quecksilbersäule immer höher steigt (durch das Feuer der Alliierten!), bis sie schießlich Konstantinopel erreichen würde. Aber schon am dritten Tag blieb das schöne Klischee aus den Spalten des „Matin“ wieder weg: die Quecksilbersäule war zu tief gefallen.

Abb. 83. Sacha Guitry: Die beiden Kaiser.

(Le Journal, Paris.)

Abb. 84. Die „Permissions de quatre jours“.

Französische Karikatur auf den viertägigen Urlaub, den die Truppen im Interesse der Volksvermehrung erhalten und auf die sich darauf beziehenden Vorbereitungen der Pariser Damenwelt.

Abb. 85. Djilio: Les Retraites.