Abb. 109. Max Richter: Der Saisontanz 1914/15.

(Ulk, Berlin.)

Ganz besonders arbeitet das Witzblatt „Asino“ gegen die beiden Kaiser der Zentralmächte; es ist auch nicht einmal andeutungsweise möglich, den Inhalt der Schmähbilder, die ein gewisser Rata Langa verbrochen hat, wiederzugeben. Die Existenz eines solchen Blattes wäre in Deutschland unmöglich, selbst wenn es sich nur gegen die Feinde richtete. Das, was „L’Asino“ bietet, stellt den tiefsten Grad von Verleumdung und Lügen dar, der denkbar ist. Dabei sprüht in dem ganzen Blatt kein Funke von Humor auf, der vielleicht noch mit einem oder dem andern der „Scherze“ versöhnen würde. Allerdings hat ja gerade Italien nie Überfluß an Witz besessen. Vielleicht sind auch diese Exzesse wüster Geschmacklosigkeit auf metallische Händedrücke der Alliierten zurückzuführen. Eine besondere Rubrik „Tedescherie“ verzeichnet Schandtaten der Deutschen, gegen welche jene in französischen Blättern beinahe als sanft bezeichnet werden müssen. Die meist in Grün und mit starkem Rot gedruckten Abbildungen haben schon äußerlich etwas Blutrünstiges. [Abbildung 82] gibt eine der zahmsten wieder. Den Höhepunkt der Gemeinheit erreichte das Blatt in seiner Weihnachtsnummer, wo es unter dem Titel „Il Natale Tedesco“ einen betrunkenen deutschen Soldaten zeigt, wie er mit seinem Bajonett das Jesuskind aufspießt, während ein anderer die Mutter Maria ermordet, ein dritter den heiligen Josef erwürgt und zwei andere den Esel seiner Habe berauben!

Abb. 110. Bülow: „Lieber Freund, hier bin ich!“ Salandra: „Einen Augenblick! Sieh dir mal erst ein wenig meinen Kopfschmuck an!“

(Il Punto.)

Das bereits erwähnte neue satirische Wochenblatt „Il Numero“ steht, wie schon gesagt, künstlerisch wesentlich höher. Eine ganze Reihe geschickter Zeichner arbeiten dafür. Die Nummern, die zehn Centesimi kosten, haben oft einheitlichen, geschlossenen Inhalt; so wendet sich beispielsweise ein Heft gegen die Schweiz, die angeblich ihre Neutralität in allzu deutschfreundlichem Sinne ausgenutzt hat. Auch der 42 cm-Mörser spielt in diesem Blatte eine große Rolle, wie in der Zeichnung „Der Gleichmacher“ von Nirsoli ([Abb. 36]). Cadorin zeichnet die kommende Hagia Sofia in Konstantinopel ([Abb. 91]). Ein anderer Künstler, Scarpelli (scarpe = Schuhe; daher die Signatur links unten) zeigt den deutschen Kaiser, wie er das durch die Neutralität „gefesselte“ Italien mit der Türkei schreckte ([Abb. 93]). Zu den zahlreichen Blättern gegen den österreichischen Kaiser gehört eine Zeichnung von Nasika „La Bocca del Cattaro“, ein Ausdruck der Freude über die Beschießung dieses süddalmatinischen Hafens durch die französische Marine, die ja übrigens recht trostlos verlief und an jenen berühmten „Sieg“ der Franzosen bei der Beschießung des Leuchtturmes Pelagosa erinnert; damals bestand die Beute aus den Unterhosen des Leuchtturmwächters, zwei alten Hennen, dreißig jungen Hühnern, zwei Tauben, einer Ziege, einem Kanarienvogel und einem halben Hektoliter Wein, die alle von den französischen Matrosen mitgeschleppt wurden. — Daß auch die italienischen Zeitungen den Krieg in Gestalt von Karikaturen verarbeiten, zeigt [Abbildung 110]; auch in dieser kurz vor Eintritt Italiens in den Krieg erschienenen Zeichnung kommt bereits die deutschfeindliche Tendenz zum beredten Ausdruck.

Abb. 111. Grandjouan: Bulgariens Entscheidung.

L’Europe: „Que veux-tu, enfant terrible, du halva turc ou du caviar russe?“
Ferdinand: „Ah, maman Europe, comme j’aime la Macédoine!“