Wir schlagen vor, die noch in Deutschland befindlichen Japaner in den Zoologischen Gärten aufzubewahren.
Auf den Protest beleidigter Schimpansen kann keine Rücksicht genommen werden!

Abb. 8. Olaf Gulbransson: Da gehören sie hin!

(Simplicissimus.)

Glücklicherweise gibt es aber auch in Deutschland Karikaturisten, die sich mit den allerbesten anderer Länder messen können. An erster Stelle steht wieder mit Leistungen, die auch künstlerisch voll befriedigen, der „Simplicissimus“, und hier besonders der Skandinavier Olaf Gulbransson, der ja seit langen Jahren ganz zu uns Deutschen gehört. Neben seinem engeren Kollegen Th. Th. Heine und neben G. Brandt und A. Johnson vom „Kladderadatsch“ marschiert er an der Spitze der zeitgenössischen deutschen Karikaturenzeichner. Wollte man ihm gerecht werden, so müßte man schlechtweg seine sämtlichen Arbeiten im „Simplicissimus“ nennen, denn gelungen sind sie alle. Wie glänzend weiß er seine Helden zu charakterisieren, ohne durch gewaltsame Verzerrung Grotesken zu schaffen! In seiner Hand ist die Karikatur nicht nur im etymologischen Sinne des Wortes „Übertreibung“, hier wird sie zu einer großartigen politischen Satire. Man betrachte seine beiden Zeichnungen gegen die Japaner ([Abb. 8] u. [9]). Ist hier nicht restlos die Stimmung wiedergegeben, die alle Kreise unseres Landes gegen das Volk erfaßte, das Kiautschou raubte? Auch andere Zeichner haben (es war ja sehr billig) die Japse als Affen dargestellt, in allen Zeichnungen traten sie als Vierhänder auf, aber niemandem ist das mit solch raffinierter Beschränkung in den künstlerischen Mitteln gelungen wie Gulbransson. Durch den Nachsatz „Auf den Protest beleidigter Schimpansen kann keine Rücksicht genommen werden!“ erhält das Bild erst die richtige Wucht: also noch unter die Affen werden die Japaner gestellt! Wie köstlich ist der beleidigte Schimpanse! Der Künstler drückt damit denselben Gedanken aus, den die „Jugend“ in die Worte kleidete: „Die Japaner haben den Augenblick, da Deutschland mit vier Staaten zugleich Krieg führt, dazu benutzt, ihm Kiautschou zu stehlen. Damit sind sie vom Niveau anständiger Makaken auf die Stufe von Engländern herabgesunken!“ Aber nicht bloß als Quadrumanen zeigt uns Gulbransson die Japaner; er ist auch der einzige, der noch eine andere Lösung fand, dem Haß gegen den englischen Helfershelfer bildlichen Ausdruck zu geben: in der Zeichnung „Die Wacht in Kiautschou“, wo die Mongolen den wie ein einsamer Fels stehenden deutschen Ritter als unzählige Wellenköpfe umbranden, um schließlich, allein durch ihre Masse, über ihn zu triumphieren. Reine Freude gewährt auch seine „Alpenwacht“ in der Italiennummer, wo auf gelbem Hintergrunde sich der deutsche Reichsaar und der österreichische Doppeladler mit kraftvollem Schwarz massig und gewaltig abheben, während in der Ferne das Diminutivum eines Italieners erscheint, nur aus einem großen Maule bestehend: „Und der will uns etwas anhaben, der ist ja nur auf Singvögel eingeschossen.“ Mit einfachen Mitteln ist hier eine große Wirkung erreicht. Dieses Blatt ist durch die flächige Behandlung auch dekorativ sehr wirkungsvoll. Ausgezeichnet sind ferner die Beiträge von Ragnvald Blix im „Simplicissimus“. Neben dem Schweden Gulbransson ist dieser Norweger eine der größten Begabungen, die in Deutschland arbeiten. Seine reiche Phantasie weiß die Persönlichkeiten, die er sich vornimmt, außerordentlich witzig zu charakterisieren. Hier braucht nur an seine famose Karikatur „An der Ostfront“ erinnert zu werden: „Ganghofer ist da — der Sturm kann beginnen.“ Nur wenige wissen, daß Blix noch vor einigen Jahren viel für französische Zeitungen, unter anderen auch für „Le Rire“ und „Le Journal“ gezeichnet hat. Er wurde bekannt durch eine Serie Karikaturen auf klassische Gemälde, die zuerst als Sammlung „Le voile tombe“ 1908 herauskam und auch deutsch im gleichen Jahre unter dem Titel „Nach alten Meistern“ erschien.

Abb. 9. Olaf Gulbransson: Deutsche Wacht in Kiautschou.

(Simplicissimus.)

Abb. 10. Die Zentralmächte und Rußland.

Russische Karikatur aus d. Nowoje Wremja, St. Petersburg.